Präsidentenwahl : Iran: Rafsandschani gegen Konservativen

Überraschung bei der Präsidentenwahl in Iran: Bei einer Stichwahl am kommenden Freitag muss der moderate Kleriker und Ex-Präsident Akbar Haschemi Rafsandschani gegen den ultra- konservativen Bürgermeister von Teheran, Mahmud Ahmadi-Nedschad, antreten.

Teheran (18.06.2005, 16:39 Uhr) - In der ersten Runde am Freitag bekam keiner der sieben Kandidaten die notwendige absolute Mehrheit, wie das Teheraner Innenministerium am Samstag berichtete. Die knapp 47 Millionen wahlberechtigten Iraner sind nun erneut dazu aufgerufen, den Nachfolger von Präsident Mohammed Chatami zu bestimmen, der nach zwei Amtszeiten nicht mehr antreten durfte. Bei der Stichwahl reicht eine einfache Mehrheit.

Die meisten der 28,8 Millionen abgegebenen Stimmen errang am Freitag mit rund 21,2 Prozent Rafsandschani, gefolgt von Ahmadi- Nedschad mit knapp 19,1 Prozent. Ahmadi-Nedschad konnte nach Medienberichten auch den als bedeutend geltenden Wahlkreis Teheran gewinnen.

Rafsandschani (70) hat innenpolitische Reformen versprochen und strebt einen Ausgleich mit dem Westen an, auch mit den in Iran als Erzfeinde geltenden USA. Ahmadi-Nedschad (48) zählt dagegen zu den führenden Vertretern der harten Linie der Islamischen Republik.

Die Wahlbeteiligung betrug am Freitag nach Angaben des Innenministeriums bei 61,2 Prozent. Die Abstimmung fand unter scharfen Sicherheitsvorkehrungen statt, nachdem in den vergangenen Tagen mehrere Bombenanschläge in Iran verübt worden waren. Dabei kamen am vergangenen Sonntag 9 Menschen ums Leben. Nach Darstellung der Regierung wollten «Terroristen» die Wähler davon abhalten, an die Urnen zu gehen.

In der ersten Runde scheiterten der Reformer und ehemalige Wissenschaftsminister Mostafa Moein und der konservative frühere Polizeichef Mohammed-Bagher Ghalibaf, die als stärkste Konkurrenten von Rafsandschani gegolten hatten. Auch der frühere Parlamentspräsident Mehdi Karrubi konnte sich angesichts eines schlechten Ergebnisses in Teheran nicht durchsetzen.

In der Islamischen Republik sind alle Staatsbürger ab dem 15. Lebensjahr wahlberechtigt. Ursprünglich hatten sich mehr als 1000 Männer und Frauen um einen Platz auf der Kandidatenliste beworben. Der von konservativen Klerikern dominierte Wächterrat hatte jedoch lediglich sieben Bewerber zugelassen. (tso)

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