• Präsidentenwahl: Serbische Opposition einigt sich nicht auf einen Kandidaten - Milosevics Chancen für Wiederwahl steigen

Politik : Präsidentenwahl: Serbische Opposition einigt sich nicht auf einen Kandidaten - Milosevics Chancen für Wiederwahl steigen

Stephan Israel

Serbiens Opposition ist nur 50 Tage vor den Wahlen dabei, die Chancen auf einen Sieg gegen Jugoslawiens amtierenden Präsidenten Slobodan Milosevic zu verspielen. Die Stimmen der Regimegegner könnten sich am 24. September auf bis zu drei Kandidaten zersplittern. Die oppositionelle "Allianz für den Wechsel" will am 24. September mit Vojislav Kostunica gegen den amtierenden Präsidenten Slobodan Milosevic antreten. Die 15 im Bündnis versammelten Oppositionsparteien einigten sich am Montag in Belgrad auf die Kandidatur des 56-Jährigen. Der serbische Nationalist soll auch im "patriotischen" Lager Stimmen holen. Kostunica, bisher farblose politische Randfigur, gilt als kleinster gemeinsamer Nenner innerhalb der heterogenen Allianz.

Vor der formellen Einigung war am Mittag ein Ultimatum an die Serbische Erneuerungsbewegung (SPO) von Vuk Draskovic ungenutzt verstrichen. Draskovic war aufgerufen worden, die Nominierung eines eigenen Kandidaten für die Wahl des Jugoslawischen Präsidenten am 24. September noch einmal zu überdenken. Die SPO hatte am Sonntag den Belgrader Bürgermeister Vojislav Mihailovic ins Rennen geschickt und damit alle anderen Oppositionsparteien vorerst einmal überrumpelt. Die "Allianz für den Wechsel" hatte bis zuletzt darauf gehofft, dass die SPO auf einen eigenen Kandidaten verzichten würde. Der jugoslawische Präsident Slobodan Milosevic werde vom Alleingang der SPO am meisten profitieren, betonte Srbobran Brankovic, Direktor eines unabhängigen Belgrader Meinungsforschungsinstituts: "Damit wird ein Referendum für oder gegen Milosevic verhindert".

Statt einem Einheitskandidaten der Opposition wird sich der amtierende Präsident möglicherweise bis zu drei Gegnern gegenüber sehen: Die Stimmen der Regimegegner dürften sich auf drei Kandidaten zersplittern. Neben der SPO und der Allianz wollen auch die Radikalen (SRS) von Vojislav Seselj einen Kandidaten aufstellen. Seselj ist zwar Koalitionspartner der Sozialisten. Seine Partei kann aber auch auf Stimmen von Milosevic-Gegnern zählen.

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