• Präsidentschaftskandidatin der Linkspartei: Parteiführung sieht Hetzkampagne gegen Beate Klarsfeld

Präsidentschaftskandidatin der Linkspartei : Parteiführung sieht Hetzkampagne gegen Beate Klarsfeld

Die Nazi-Jägerin Beate Klarsfeld ist 1968 für ihre ohrfeige gegen den damaligen CDU-Bundeskanzler Kiesinger von der DDR finanziell belohnt worden. Die Kritik daran nennt die Linkspartei eine "mediale Hetzkampagne".

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Beate Klarsfeld mit Linken-Parteichef Klaus Ernst bei einer Matinee im Berliner Babylon-Kino
Beate Klarsfeld mit Linken-Parteichef Klaus Ernst bei einer Matinee im Berliner Babylon-KinoFoto: dapd

Die Kandidatin der Linkspartei für das Bundespräsidentenamt, Beate Klarsfeld, hat erstmals begründet, warum sie alte Nazis in der Bundesrepublik enttarnt hat, nicht aber in der DDR. Bei einer Matinee der Partei am Sonntag in Berlin sagte sie, ihr sei es um die Fälle gegangen, in denen NS-Verbrecher auch vor Gericht gestellt werden könnten. Dafür sah sie demnach in der DDR keine Möglichkeit. Klarsfeld hatte 1968 den damaligen CDU-Bundeskanzler Kurt Georg Kiesinger geohrfeigt und als „Nazi“ beschimpft. Sie steht in der Kritik, weil sie Informationen über Kiesinger in der DDR besorgt hat und dabei – möglicherweise unwissentlich – auch mit der Stasi in Kontakt kam. Nach der Ohrfeige erhielt sie als Belohnung von der SED 2.000 D-Mark. Die 73-Jährige warf Teilen der Presse vor, sie versuche nur das herauszufinden, „womit sie mich erniedrigen kann und demütigen kann“. Ihre Kontakte in die DDR habe sie „niemals verheimlicht“.

Der Linken-Vorsitzende Klaus Ernst kritisierte es als „merkwürdig“, dass die anderen Parteien Klarsfeld nur wenig Anerkennung zollten. Es zeuge von einem „eklatanten Mangel an politischem Charakter“, das Lebenswerk der Nazi-Jägerin so erneut zu diskreditieren. Ernst sprach von einer „medialen Hetzkampagne“ gegen eine „Frau der Tat“. Er habe „keinen Respekt“ vor Journalisten, die jetzt, „vielleicht bei einem Glas Rotwein“, am Schreibtisch säßen und überlegten, wie sie „Frau Klarsfeld eine reinsemmeln können“.

Auch Ernsts Ko-Chefin Gesine Lötzsch empörte sich heftig über „Angriffe“ vor allem der Springer-Presse. „Die Herren wirken so, als ob sie von der Tarantel gestochen sind“, und seien in „alte Kampfformationen zurückgefallen“, sagte Lötzsch. Ohne die Unterstützung aus der DDR wäre der Einsatz von Klarsfeld gegen die Nazi-Verbrecher nicht möglich gewesen. „Die DDR hat damals eine Nazi-Jägerin unterstützt, die Bundesrepublik Kriegsverbrecher.“ Die Bundestagsabgeordnete Luc Jochimsen, die 2010 Kandidatin der Linkspartei für das Bundespräsidentenamt war, sagte, Klarsfeld habe sich bei ihren Aktionen stets Unabhängigkeit bewahrt. „Es gab da keine Linie – einmal mit denen, immer mit denen“, sagte Jochimsen.

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