Präsidentschaftswahl : Deutlicher Rechtsrutsch in Polen

Der bisher kaum bekannte rechtsnationale Herausforderer Andrzej Duda konnte laut ersten Teilresultaten Präsident Bronislaw Komorowski schlagen und könnte in der Nachwahl triumphieren.

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Unter Druck. Amtsinhaber Bronislaw Komorowski droht nach einem starken Wahlkampof-Schlussspurt seiner Herausforderer die Abwahl.
Unter Druck. Amtsinhaber Bronislaw Komorowski droht nach einem starken Wahlkampof-Schlussspurt seiner Herausforderer die Abwahl.Foto: dpa

Die ersten Teilresultate der Präsidentenwahlen in Polen bestätigen den Trend der Nachwahlbefragungen. Der zuvor von allen favorisierte Amtsinhaber Bronislaw Komorowski muss nicht nur in die Stichwahl, er bekam in der ersten Runde sogar weniger Stimmen als der bisher kaum bekannte rechtsnationale Herausforderer Andrzej Duda. Nach der Auszählung von 27 von 51 Wahlkreisen erschien Komorowskis überraschende Niederlage am Montag noch größer als in der Wahlnacht. Duda lag mit 36,7 Prozent fast fünf Prozentpunkte vor Komorowski (32 Prozent). Noch in der Wahlnacht hatte es so ausgesehen, als überrunde Duda den Amtsinhaber von der regierenden Bürgerplattform (PO) nur um zwei bis drei Prozent. Leicht verbessern konnte sich mit 20,8 Prozent auch der drittplatzierte rechte Rockmusiker Pawel Kukiz.

Polens Ex-Dissident Adam Michnik reagierte auf den überraschenden Wahlausgang mit einem dramatischen Aufruf. „Es sieht so aus, als drohe Polen in die Hände unberechenbarer und inkompetenter Leute zu fallen", kommentierte Michnik in der größten Tageszeitung „Gazeta Wyborcza“. Komorowski hatte den Wahlkampf siegesgewiss auf die leichte Schulter genommen und sich nicht einmal zur Schlussdebatte ins Fernsehstudio bemüht. Seine Herausforderer stempelte er wie nun auch Michnik als unerfahren ab. Der sich gern auf seine adlige Abstammung berufende Komorowski ließ gar durchblicken, es sei eine Zumutung, gegen solche Kandidaten antreten zu müssen. Der vor der Wahl fast nur Insidern bekannte Duda dagegen fuhr durch ganz Polen, besuchte weit über 100 Provinzstädte und gab sich bei seinen Auftritten immer offen und volksverbunden.

In der Wahlnacht gab es nun im Komorowski-Stab lange Gesichter. „Diese Resultate muss man als ernstes Wahlsignal für die Regierung sehen“, sagte Komorowski zerknirscht.

Euphorie herrschte in den Wahlstäben Dudas und Kukiz’. Der Punkrocker trat am Rande eines Konzerts staatsmännisch im weißen Hemd auf und überließ es seinen Wählern, wen sie in der Stichwahl vom 24. Mai unterstützen wollen. Seine Wähler sind die unter 30-Jährigen. Sie könnten Komorowski in der zweiten Runde aus dem Amt jagen.

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