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Präsidentschaftswahl in Ägypten : 96 Prozent stimmen für al-Sisi

Ex-Armeechef Abdel Fattah al-Sisi fährt wie erwartet einen haushohen Walsieg ein. Trotz Verlängerung um einen Tag liegt die Wahlbeteiligung bei unter 50 Prozent.

Jubelnde Anhänger von Ex-Militärchef Abdal Fattah as-Sisi.
Jubelnde Anhänger von Ex-Militärchef Abdal Fattah as-Sisi.Foto: DPA

Ägyptens früherer Armeechef Abdel Fattah al-Sisi hat erwartungsgemäß einen haushohen Sieg bei den Präsidentschaftswahlen eingefahren. Für al-Sisi hätten 96,2 Prozent der Wähler gestimmt, berichtete das Staatsfernsehen am Donnerstag nach Auszählung der meisten Stimmen. Angesichts einer unterdrückten Opposition war dieses Ergebnis erwartet worden. Tausende Unterstützer al-Sisis strömten in der Nacht zu Freudenkundgebungen in der Hauptstadt Kairo zusammen.
Das Staatsfernsehen stützte sich auf Ergebnisse aus 312 der 352 Wahllokale. Das in einigen Tagen erwartete Endergebnis und die Ausrufung al-Sisis zum Sieger der Präsidentschaftswahlen sind damit nur noch Formsache. Al-Sisis einziger Kontrahent, der Linkspolitiker Hamdeen Sabbahi, erreichte nach amtlichen Angaben 3,8 Prozent.

Schwache Wahlbeteiligung

Ein Vertreter der Wahlkommission sagte der staatsnahen Zeitung "Al-Ahram" in der Nacht zum Donnerstag, die Beteiligung habe letztlich 46 Prozent betragen. Al-Sisi hatte sich indes deutlich mehr erhofft und im Wahlkampf gesagt, er hoffe auf eine Wahlbeteiligung von bis zu 80 Prozent.

Zersplitterte Opposition in Ägypten

Der frühere Verteidigungsminister galt seit dem Sturz des islamistischen Präsidenten Mohammed Mursi im vergangenen Juli ohnehin schon als der wahre ägyptische Machthaber. Sein Sieg war auch deshalb erwartet worden, weil die Vertreter der zersplitterten Opposition inhaftiert, tot oder politisch mundtot gemacht worden sind. Im Zuge der Proteste gegen Mursis Absetzung waren mehr als 1400 Menschen getötet worden, vor allem aus den Reihen seiner Anhänger. Die Muslimbruderschaft, der auch Mursi entstammt, wurde im Dezember verboten, ihre Führungsriege sitzt in Haft. Die Präsidentschaftswahl wurde von den Muslimbrüdern boykottiert.

Hoffen auf Stabilität

Viele Ägypter sahen nach Jahren des Tumults in ihrem Land in al-Sisi außerdem einen Stabilitätsfaktor. Im Wahlkampf hatte er zudem versprochen, die am Boden liegende Wirtschaft wieder anzukurbeln. "Das ist ein Sieg für Stabilität", riefen Demonstranten dann auch in der Nacht auf Ägyptens Straßen.

Jubel auf dem Tahrir-Platz

Auf dem symbolträchtigen Tahrir-Platz strömten tausende Anhänger des designierten neuen Staatschefs zusammen. Sie schwenkten ägyptische Flaggen und hielten Bilder mit al-Sisis Konterfei in die Höhe. Feuerwerkskörper erleuchteten den Nachthimmel, auf den Straßen fuhren laut hupende Autos. Der Tahrir-Platz ist seit Jahren das Zentrum von Protesten, ob nun für oder gegen die ägyptische Führung.

Gegner sprechen von "Freifahrtschein für Wahlbetrug"

Zur Präsidentschaftswahl waren seit Montag fast 54 Millionen Menschen aufgerufen. Nach den ersten beiden Tagen lag die Wahlbeteiligung allerdings nur bei 37 Prozent, weshalb die Wahl bis Mittwochabend verlängert wurde.
Al-Sisis Gegner betrachteten die Verlängerung der Wahl als möglichen Freifahrtschein für Wahlbetrug. Shadi Hamid vom Saban-Zentrum in den USA sagte dazu, es gebe "keine Möglichkeit, die Zahlen der Regierung zu verifizieren". Weder seien genügend internationale Wahlbeobachter im Land, noch gebe es eine parallele Kontrollauszählung. (dpa)

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