Präsidentschaftswahl in den USA : Stunde der Wahrheit für Donald Trump

In Iowa, dem ersten Vorwahlstaat, ist der bisherige Anführer der Umfragen auf Platz zwei zurückgefallen. Die Republikaner haben einen neuen Favoriten. Ein Kommentar.

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Will US-Präsident werden: Donald Trump.
Will US-Präsident werden: Donald Trump.Foto: REUTERS

Im Fußball heißt es: Die Wahrheit liegt auf dem Platz. In der Politik zeigt sie sich am Wahltag. Fünf Wochen sind es noch bis zur ersten der Vorwahlen in den USA, die über die Kandidatenaufstellung für die Präsidentenwahl entscheiden – in Iowa –, und allmählich scheint sich das Blatt zu wenden. Donald Trump, der in den Umfragen sowohl national als auch in den frühen Vorwahlstaaten seit Monaten deutlich führte, ist in Iowa auf Platz zwei zurückgefallen. Kündigt sich da die Wende an, die US-Wahlstrategen schon lange für überfällig hielten?

Trumps Aufstieg hatte viele in den USA wie im Ausland konsterniert. Ein Mann, der vor allem dadurch auffiel, dass er Hass sät und Frauen, Einwanderer aus Lateinamerika sowie seine innerparteilichen Mitbewerber um die Nominierung grob beleidigt, ist der „Frontrunner“ mit stabil über 30 Prozent Zustimmung unter republikanischen Wählern? Ja, spinnen die denn alle?

Trumps Chancen auf die Nominierung stehen schlecht

Der Rückfall auf Platz zwei in den Umfragen für Iowa bedeutet nicht das Aus für Trumps Aussichten auf die Nominierung. Aber es ist ein weiteres Indiz, dass seine Chancen schlechter stehen, als viele deutsche Medien dies unter Verweis auf die nationalen Umfragen darstellen. Wahlexperten in den USA hatten davor gewarnt, sie sonderlich ernst zu nehmen. Als Stimmungsbarometer haben sie eine gewisse Bedeutung. Der Zorn der republikanischen Basis über den Kurs des Landes unter dem Afroamerikaner Barack Obama und über angebliche Lügen-Medien mit ihrem vermeintlichen Linksdrall ist groß. Trump gibt diesem Frust die hörbarste Stimme. Das macht ihn populär.

Als Prognosemittel, wen die Parteibasis mehrheitlich als Präsidentschaftskandidaten sehen möchte, taugen die nationalen Umfragen jedoch nicht. Denn der wird nicht in einer nationalen Abstimmung nominiert – weshalb die Befragten auch nicht so antworten, als würden sie nach dem Muster der deutschen Sonntagsfrage Auskunft geben, welchen Namen sie auf einem imaginären Stimmzettel ankreuzen. Die Kür ist Ergebnis einer Abfolge von Vorwahlen in allen 50 Bundesstaaten über mehrere Monate. Die Republikaner, die an Vorwahlen teilnehmen, zeigen traditionell unterschiedliche regionale Vorlieben. In Iowa (am 1. Februar) hat die religiöse Rechte dominanten Einfluss. New Hampshire eine Woche später bevorzugt meist einen moderaten Konservativen. In South Carolina (am 20. Februar) spielen der Südstaaten-Mythos, Rassenfragen und erneut das Christentum eine wichtige Rolle.

Für die Einzelstaaten gibt es weniger Erhebungen als national, schon wegen der Kosten so vieler Umfragen. Und als verlässlich gelten nur die, die frühestens einen Monat vor dem jeweiligen Vorwahltermin gemacht werden, da viele Bürger erst dann ihre Wahl treffen. Deshalb findet die Trendwende in Iowa jetzt Beachtung in den USA.

Die Republikaner haben die Regeln für die Delegierten 2016 geändert

Ein weiterer wichtiger Faktor für die Beurteilung der Chancen Trumps (sowie anderer Kandidaten) auf die Nominierung sind die Vorgaben, wie die Vorwahlergebnisse sich auf die Zuteilung der Delegierten für die „Convention“ auswirken, den Parteikongress, der den Präsidentschaftskandidaten offiziell kürt. Die Republikaner haben diese Vorgaben für 2016 auf eine Weise reformiert, die eine frühe Vorentscheidung verhindert.

Bis Mitte März werden die Delegierten proportional zum Vorwahlergebnis verteilt. Erst danach gilt: „The winner takes all“. Das eröffnet Kandidaten, die in den frühen Staaten schlecht abschneiden, aber Rückhalt im Apparat haben und mit dessen Hilfe in mehreren Staaten parallel Wahlkampforganisationen aufbauen, ein späteres Comeback – begünstigt also moderate Bewerber wie Jeb Bush und eventuell auch Marco Rubio. Für politische Freibeuter wie Trump ist dies ein Nachteil.

Trump fehlt eine landesweite Wahlkampforganisation

Er hat im Übrigen bisher kaum Geld in das „Groundgame“, den Aufbau von Wahlkampfbüros quer durch die Staaten, investiert. Trump ist mit seinem Profil als Lautsprecher des Zorns für keine der frühen Vorwahlen ein idealer Kandidat. In Iowa liegt nun Ted Cruz vor ihm, der als „Verteidiger der zehn Gebote“ offensiv um die religiöse Rechte wirbt.

In New Hampshire verfolgen die Wahlexperten gespannt, ob auch dort in den nächsten ein, zwei Wochen eine Trendwende einsetzt – und zu wessen Gunsten, etwa Marco Rubio oder Chris Christie? Da schwingt freilich ein Bangen mit, ob die bekannten Vorwahlgesetze noch gelten oder ob Ausnahmekandidat Trump Wege findet, sie außer Kraft zu setzen. Fünf Wochen noch bis zum Urteil: über Trump und über die Experten.


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