Präsidentschaftswahl : Karsai wehrt sich gegen Stichwahl

Knapp zwei Monate nach der Präsidentschaftswahl in Afghanistan hat die Staatengemeinschaft ihre Anstrengungen verstärkt, die eskalierende Krise am Hindukusch zu entschärfen.

Kabul  -  Die Lage hat sich weiter zugespitzt, weil Präsident Hamid Karsai sich nach Angaben aus diplomatischen Kreisen gegen die Bekanntgabe eines amtlichen Endergebnisses wehrt, demzufolge er keine absolute Mehrheit mehr hätte. Ein westlicher Diplomat, der ungenannt bleiben wollte, sagte am Sonntag, Karsai wolle den Wahlbetrug „absolut nicht wahrhaben“. Der französische Außenminister Bernard Kouchner forderte am Sonntag nach Gesprächen mit Karsai und Herausforderer Abdullah Abdullah in Kabul, beide Kontrahenten müssten ein Wahlergebnis akzeptieren, das den von der Beschwerdekommission unter UN-Aufsicht festgestellten Betrug berücksichtige. Entgegen ihrer ursprünglichen Ankündigung hatte die Beschwerdekommission am Samstag ihre Analyse des Wahlbetrugs nicht an die Wahlkommission übergeben und nicht veröffentlicht.

US-Zeitungen hatten am Freitag berichtet, Karsai habe bei der Wahl am 20. August nach Abzug gefälschter Stimmen eine absolute Mehrheit verfehlt. Damit wäre laut Verfassung eine Stichwahl zwischen Karsai und Abdullah notwendig. Der westliche Diplomat betonte jedoch, eine Stichwahl sei aus Sicherheits- und logistischen Gründen „keine machbare Option“. Karsais Büro teilte mit, der Amtsinhaber habe wegen der Wahl mit UN-Generalsekretär Ban Ki Moon, dem britischen Premierminister Gordon Brown, US-Außenministerin Hillary Clinton und dem pakistanischen Präsidenten Asif Ali Zardari telefoniert. Clinton sagte dem US-Sender CNN, die Wahrscheinlichkeit, dass Karsai eine Stichwahl gewinnen würde, sei „ziemlich hoch“.  dpa

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