Präsidentschaftswahl : Slowaken entscheiden per Stichwahl

Nach ersten Wahlergebnissen steht bei der slowakischen Präsidentschaftswahl ein spannendes Duell bevor. Die Oppositionskandidatin Iveta Radicova erhielt im ersten Wahlgang nur achteinhalb Prozentpunkte weniger als der regierungsnahe Amtsinhaber Ivan Gasparovic.

BratislavaBei der Stichwahl am 4. April könnte es der 52-jährigen Soziologie-Professorin und christlich-liberalen Ex-Sozialministerin gelingen, aufzuholen. Radicova hat im zweiten Wahlgang größere Chancen als der 67-jährige Gasparovic. Sie kann die Wähler von zwei aus ihrem christdemokratischen Lager stammenden Konkurrenten ansprechen, die mit jeweils rund fünf Prozent ausschieden. Mit einem Sieg könnte sie als erste Frau das höchste Amt im jungen EU-Land erobern.

Die gegensätzlichen ersten Reaktionen der beiden Kontrahenten auf das Wahlergebnis in der Nacht zum Sonntag gaben einen Vorgeschmack auf das Wahlkampffinale. Der laut allen Umfragen hohe Favorit Gasparovic war sichtlich geschockt von seinem knappen Vorsprung. Fast trotzig betonte er: „Ich bin der Sieger des ersten Wahlganges.“ Zugleich appellierte er an die Wähler, im zweiten Wahlgang ebenso zu wählen wie im ersten. Radicova hingegen war von ihrem unerwartet starken Abschneiden so bewegt, dass ihr beinahe die Stimme versagte. Sie bezeichnet das Ergebnis als „große Herausforderung“. Im Stil des US-Präsidenten Barack Obama fügte sie kurz nach Mitternacht hinzu: „Das ist eine wunderschöne Tageswende und ich hoffe, der zweite Durchgang wird erst recht eine (politische) Wende bringen.“

Gasparovic: „Ich denke national und fühle sozial“

Gasparovic hat im bisherigen Wahlkampf auf seinen bewährten Slogan gesetzt: „Ich denke national und fühle sozial.“ Er profitierte vor allem von der Unterstützung der regierenden Linkspartei Smer-Sozialdemokratie des populären Regierungschefs Robert Fico und von dessen rechtsradikalem Koalitionspartner, der Slowakischen Nationalpartei.

Radicovas Anhänger und rechtsliberale Intellektuelle wie der Politologe Grigorij Meseznikov hatten Gasparovic hingegen stets daran erinnert, dass er als Parlamentspräsident in den neunziger Jahren mitverantwortlich für die internationale Isolation der Slowakei während der Ära des umstrittenen Ministerpräsidenten Vladimir Meciar gewesen sei.

Der sozialdemokratische Ministerpräsident Fico und andere Regierungspolitiker wiederum hatten Radicova im Wahlkampf mehrfach vorgeworfen, als Sozialministerin der rechtsliberalen Ex-Regierung bis 2006 mitverantwortlich für ein rechtsliberales Programm voller sozialer Härten gewesen zu sein. Zudem habe sie davon profitiert, dass die damalige Koalition nur dank offensichtlichen Stimmenkaufs von Parlamentariern ihren vorzeitigen Sturz verhindert habe. (dpa)

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