Präsidentschaftswahlen : Der Jungstar ist wieder im Rennen

In South Carolina wurde ein Sieg Hillary Clintons erwartet - doch der aufstrebende Anwärter auf das Amt des Präsidenten, Barack Obama, mobilisierte seine Wähler erneut.

Christoph von Marschall
Barack Obama
Guter Hoffnung: Barack Obama. -Foto: AFP

Welch ein Triumph für Barack Obama. Am Abend des 26. Januar wirken seine Frau Michelle und er überwältigt, vielleicht aber auch ein bisschen fassungslos. Tänzerisch beschwingt nehmen sie die Stufen auf die Tribüne, als sein Erdrutschsieg feststeht. Hand in Hand treten sie vor ihre Fans und umarmen sich. „Motor an – bereit zum Gehen!“, skandiert die Menge und schwenkt begeistert die blauen Tafeln „Wandel, an den wir glauben können“ in die Kameras.

„Nach vier großartigen Abstimmungen in den verschiedensten Regionen unseres Landes habe ich die meisten Stimmen erhalten, die meisten Delegierten (für den Nominierungsparteitag im August) und habe die breiteste Koalition hinter mir, die Amerika seit langer, langer Zeit gesehen hat“, zieht Obama die Bilanz aus den Vorwahlen in Iowa, New Hampshire, Nevada und South Carolina. Niemand soll denken, er sei nur ein Interessenvertreter der Schwarzen. So wollen die Clintons den Wahlausgang deuten, um bei Weißen und Latinos Argwohn gegen ihn zu wecken. Obama möchte weiter als der Bewerber erscheinen, der alle Gesellschaftsgruppen vertritt. Dank seines Erfolgs erhält er 25 Delegierte aus South Carolina für den Parteitag, Clinton zwölf und Edwards acht.

Zu diesem Zeitpunkt war seine Konkurrentin Hillary Clinton längst abgeflogen, ohne die übliche „Concession speech“, in der der oder die Unterlegene dem Sieger gratuliert. Aus Tennessee, einem der 22 Staaten, die am 5. Februar, dem „Super Tuesday“, wählen, ließ sie ihre Fans wissen: „Wir wenden unsere Aufmerksamkeit den Millionen Wählern zu, die in Florida und in den 22 Staaten am 5. Februar abstimmen.“

Die Höhe des Obama-Sieges über Hillary und Bill Clinton war schon fast furchteinflößend. Bill galt bisher als „der erste schwarze Präsident“, natürlich nicht wegen seiner Hautfarbe. Aber in seinen Regierungsjahren war die Arbeitslosigkeit unter Afroamerikanern gering. Und obwohl er zuvor Gouverneur von Arkansas war – eines Südstaats, in dem viele Weiße Rassenvorbehalte pflegen – trat er versöhnend auf. Vor Jahresfrist hatte Hillary in Umfragen unter Schwarzen 60 zu 20 vor Obama gelegen. Noch im Oktober hatte sie dort Sympathiewerte von 57 Prozent. Doch am Sonnabend stimmten 80 Prozent der dunkelhäutigen Wähler für Obama.

Wieder hatten sich die Demoskopen geirrt – nur diesmal anders herum als in New Hampshire. Dort hatten die Umfragen vor zweieinhalb Wochen Barack Obamas zweiten Sieg in Folge nach seinem Auftakterfolg in Iowa prognostiziert. Doch am Ende gewann Hillary Clinton und eroberte sich ihre Favoritenrolle in der Präsidentschaftswahl 2008 zurück.

In South Carolina dagegen hatten die Meinungsforscher am Sonnabend den schwarzen Jungstar aus Illinois weit unterschätzt. Sie sagten seinen Sieg über Clinton im Verhältnis 39 zu 24 voraus. Er aber erzeugte ein politisches Erdbeben. Mit 55 zu 27 Prozent der Stimmen deklassierte er Hillary. Es war vor allem das Werk schwarzer Wähler, die in bisher nie gekannter Zahl zu den Urnen strömten und South Carolina einen neuen Rekord bei der Vorwahlbeteiligung bescherten.

In seiner Siegesrede deutete Obama seinen Erfolg, wie schon in Iowa, als Triumph des guten Amerika über die Zyniker, die angeblich behaupten, dass die USA niemals einen Schwarzen zum Präsidenten wählen würden. „Die Zyniker hatten gesagt, dass mein Erfolg im verschneiten Iowa nur Illusionen weckte. Heute haben die guten Bürger von South Carolina sie eines Besseren belehrt.“

Ohne die Clintons beim Namen zu nennen, warf er ihnen vor, einen spaltenden Wahlkampf zu führen, und bot sich als Versöhner der Nation an. „Wir treten an gegen lange Jahre bitterer Parteilichkeit. Manche Politiker suchen ihr Heil darin, ihre Konkurrenten zu dämonisieren, statt die Menschen zusammen zu führen. Dieser Stil ist schlecht für unsere Partei. Und er ist schlecht für das Land.“

Kommentatoren warnen, die Höhe seines Erfolgs in South Carolina könne ihm am Super-Wahltag in neun Tagen schaden, sofern ihn die Wähler dort nun als schwarzen Bewerber wahrnehmen und nicht mehr als Kandidaten, der über den Rassenkonflikten steht. Diese Strategie haben nach allgemeiner Einschätzung der Wahlexperten die Clintons verfolgt. Sie sprachen immer wieder über die Rassenbeziehungen. Damit setzen sie bewusst die alten Sympathien der Schwarzen für sie aufs Spiel. Sie kalkulieren: Wenn im Gegenzug mehr Weiße und Latinos mit Rassenvorbehalten in den 22 Staaten am 5. Februar für Hillary stimmen, wäre das ein strategischer Gewinn. Auch bei Frauen in South Carolina verlor Hillary Unterstützung. Bill Clinton hatte für sie um weibliche Wähler geworben. Doch von den schwarzen Frauen, die 35 Prozent der Wähler stellten, stimmten nur 20 Prozent für sie, 80 Prozent für Obama. Unter weißen Frauen entschieden sich 40 Prozent für Clinton. Obama lag bei Wählern unter 40 Jahren vorn. Die älteren weißen Wähler votierten zu 40 Prozent für Clinton, zu 40 für Edwards. Insgesamt erreichte Obama nur ein Viertel der weißen Wähler.

Mit Blick auf den Super Tuesday verändert sich nun die Strategie. In 22 Staaten gleichzeitig kann man nicht mehr Straßenwahlkampf führen. Teure TV-Werbespots werden nun zum Hauptkontakt zu den Wählern. Clinton und Obama geben dafür mehrere Millionen pro Woche aus.

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