Politik : Präsidentschaftswahlen in Peru: In fünf Wochen will Toledo Präsident sein

Anne Grüttner

Alejandro Toledo hat wie erwartet die Präsidentschaftswahlen in Peru gewonnen und wird sich in einem Monat zusammen mit dem Ex-Präsidenten Alan Garcia in einer Stichwahl messen müssen. Der Harvard-Zögling und Indio Toledo, der in Peru eine Art Politik des "Dritten Weges" nach dem Vorbild des englischen Premiers Tony Blair durchführen will, konnte nach den letzten Ergebnissen am Montagmorgen knapp 40 Prozent der Stimmen auf sich vereinigen.

Toledo zeigte sich nach seinem Erfolg im ersten Durchgang zuversichtlich über einen Sieg in der bevorstehenden Stichwahl. Er habe "alles Menschenmögliche" für einen Sieg getan, sagte der 55-jährige Wirtschaftsexperte in Lima. Zugleich erkannte Toledo an, dass er die bereits im ersten Durchgang erhoffte absolute Mehrheit verfehlt habe. Dennoch werde er "in fünf Wochen den Sieg im Präsidentenpalast feiern", fügte er hinzu. Toledo besuchte in der Wahlnacht zunächst seinen mutmaßlichen Herausforderer Garcia, um diesem einen "demokratischen Gruß" zu überbringen. Peru brauche die politische Reife seiner Führer, deshalb wolle er auch die anderen Kandidaten aufsuchen, sagte Toledo.

Toledo, der selbst ernannte "indianische Rebell", wurde als eines von 16 Kindern eines armen Maurers in den Anden geboren. Diese Herkunft und seine indianische Abstammung haben ihm einen starken Stand im Volk gebracht. Er bezeichnet sich selbst als "Cholo" - die geläufige peruanische Bezeichnung für einen Mestizen. Angriffe seiner politischen Gegner interpretierte er im Wahlkampf als rassistische Diskriminierung. Peru wurde jahrhundertelang von einer weißen Elite regiert, obwohl 80 Prozent der Bevölkerung Indios oder Mestizen sind.

Dass Perus Ex-Präsident Alan Garcia überhaupt auf dem zweiten Platz, nur knapp vor der einzigen weiblichen Kandidatin Lourdes Flores, landete, ist die eigentliche Überraschung des ersten Wahlgangs. Garcia dürfte vielen Peruanern noch in schlechter Erinnerung sein. Er war im Jahr 1991 aus Peru geflohen, nachdem er das Land innerhalb seiner fünfjährigen Präsidentschaft heruntergewirtschaftet hatte. Garcias damaliger Nachfolger Fujimori übernahm das Land, das international isoliert war, eine Hyperinflation von 7600 Prozent aufwies und fest in den Händen der terroristischen Gruppe "Leuchtender Pfad" war.

Schock an der Wall Street

Nach den Angaben von Wahlbeobachtern erhielt Garcia Zulauf vor allem von jüngeren Peruanern, die sich an die Zeit vor 1991 nicht mehr erinnern, sowie von armen Bevölkerungsschichten. In der Abwesenheit klarer Wahlprogramme bei allen Kandidaten erhoffen diese Menschen von dem populistischen Garcia und seiner linksgerichteten Apra-Partei eine stärker auf Staatsausgaben und Sozialpolitik gerichtete Politik.

In Wirtschaftskreisen sorgte die Möglichkeit einer erneuten Präsidentschaft Garcias dagegen für Schrecken. Peruanische Aktien und Staatsanleihen litten am Montag unter dem "Garcia-Effekt": "Die Wall Street erinnert sich noch sehr gut, was Alan Garcia in seiner Amtszeit getan hat", meint der Ökonom Carlos Janada von der Investmentbank Morgan Stanley Dean Witter.

Während über den künftigen Präsidenten noch einen weiteren Monat Unsicherheit besteht, ist die Zusammensetzung der 120 Kongresssitze bereits klar. Toledos Partei "Peru Posible" erhält nach den letzten Ergebnissen 43 Sitze, Garcias Apra 28. Diese Zusammensetzung wird durchgreifende Reformen sehr schwierig machen in dem rezessionsgeplagten Land, dessen demokratische Strukturen durch den Skandal um Ex-Präsident Fujimori und dessen verbrecherischen "Berater" Vladimiro Montesinos stark geschwächt sind. Sowohl Toledo als auch Garcia haben bereits verkündet, dass sie zur Zusammenarbeit mit allen anderen Parteien bereit sind.

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