Präventivschlag : El Baradei warnt vor Angriff auf den Iran

Die Spannungen zwischen dem Iran und Israel bzw. Amerika nehmen zu. Laut einem Zeitungsbericht sollen israelische Kampfjets nun schon Übungsmanöver geflogen haben. Der Chef der UN-Atomenergieorganisation - Mohamed El Baradei - warnte vor einem Angriff: Der Nahe Osten würde zum Feuerball werden.

El Baradei
Warnt vor einem Präventivschlag der USA und Israels, Mohamed El Baradei. -Foto: dpa

DubaiDer Chef der UN-Atomenergieorganisation (IAEA), Mohamed El Baradei, hat eindringlich vor militärischen Angriffen auf den Iran gewarnt. "Ein militärischer Angriff wäre schlimmer als alles andere", sagte El Baradei mit Blick auf Drohungen aus den USA und Israel. "Er würde den Nahen Osten in einen Feuerball verwandeln", fügte der IAEA-Chef in einem Samstag ausgestrahlten Interview des Fernsehsenders El Arabija hinzu. Ein Regierungssprecher in Teheran wies einen Vorschlag der Sechsergruppe zurück, der umfangreiche Unterstützung für den Golfstaat im Gegenzug für eine Aussetzung der Urananreicherung zusagt.

Israels Luftwaffe hat Großangriff auf Iran geübt

Für Unruhe sorgte ein Zeitungsbericht, wonach Israels Luftwaffe einen Großangriff auf den Iran in einem Manöver geübt hatte. Manöver der Luftwaffe unter dem Namen "Glorreicher Spartaner 08" hätten am 28. Mai und 12. Juni auf der griechischen Insel Kreta stattgefunden, berichtete die "New York Times" am Freitag unter Berufung auf eine griechische Quelle. Mehr als 100 Kampfjets vom Typ F-16 und F-15 sollten sich demnach auf einen weitreichenden Einsatz vorbereiten.

Auf den Bericht folgte die Warnung El Baradeis. Sollte es im Streit um das iranische Atomprogramm zu militärischen Auseinandersetzungen kommen, wäre er nicht in der Lage, seine Arbeit an der Spitze der IAEA fortzusetzen, warnte der IAEA-Chef. Die UN-Behörde überwacht die friedliche und störungsfreie Nutzung der Atomenergie in ihren Mitgliedstaaten. "Ein Angriff würde im Iran einen Notfallplan zur schnellen Herstellung einer Atombombe auslösen, und das mit der Zustimmung aller Iraner, selbst derjenigen, die im Westen leben", warnte El Baradei. Er sehe im iranischen Atomprogramm zum gegenwärtigen Zeitpunkt keine "unmittelbare Gefahr" der Weiterverbreitung von Atomwaffen.

USA konzentriert sich noch auf diplomatische Lösung

Auch die USA reagierten auf den Bericht über die Manöver und versicherten erneut, sie konzentrierten sich gegenwärtig auf eine diplomatische Lösung. "Wir wollen eine diplomatische Lösung dieses Problems", sagte der US-Botschafter bei der UNO, Zalmay Khalilzad. "Unsere Position ist bekannt, es wäre nicht hinnehmbar, dass der Iran sich Atomwaffen beschafft, aber im Moment sind wir in der diplomatischen Phase." Ein führender israelischer Politiker erklärte diese diplomatische Phase unterdessen für fehlgeschlagen. "Die Maßnahmen des Westens gegen das iranische Atomprogramm sind gescheitert", sagte der Vorsitzende des Auswärtigen Ausschusses des israelischen Parlaments, Zahi Hanegbi, im staatlichen Hörfunk.

Die Bemühungen um eine diplomatische Lösung im Streit um das iranische Atomprogramm treten derweil auf der Stelle. "Die Frage der Aussetzung unserer Aktivitäten und der Anreicherung von Uran ist unlogisch und unannehmbar", sagte Irans Regierungssprecher Gholamhossein Elham. Der EU-Außenbeauftragte Javier Solana war am vergangenen Wochenende nach Teheran gereist und hatte ein neues Verhandlungsangebot der fünf UN-Vetomächte und Deutschlands vorgelegt. Dies sieht umfangreiche Hilfen für den Iran in den Bereichen Handel, Finanzen und Landwirtschaft sowie Unterstützung im Atom- und Technologiebereich vor. Die Bedingung ist allerdings eine Aussetzung der Urananreicherung.

Der Westen verdächtigt den Iran, heimlich an der Entwicklung von Atomwaffen zu arbeiten, Teheran weist dies zurück. Der UN-Sicherheitsrat beschloss bereits mehrfach Sanktionen gegen die Islamische Republik. (fg/AFP)

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