Politik : Präziser Zorn, kühne Thesen: Ein FDP-Berater rechnet ab

Robert Birnbaum

Berlin - Vielleicht ist Fritz Goergen immer in der falschen Partei gewesen. „Wenn der Berater dafür verantwortlich ist, dass sein Rat nicht gehört wird, bin ich verantwortlich“, sagt der Mann, der Bundesgeschäftsführer der FDP war, später Jürgen Möllemanns Wahlkampfberater, zuletzt 2002 in gleicher Funktion bei Guido Westerwelle. Der FDP-Chef mag über Goergen nicht mehr reden. Goergen über den FDP-Chef dafür umso mehr, aber auch über seine Vorgänger. Deshalb hat er ein Buch geschrieben, „Skandal FDP“ heißt es und verficht die These, dass – nein, nicht Westerwelle der Zerstörer der FDP sei, sondern die Verwandlung einer Ideenpartei in eine der „Lobbyisten“ lange vorher Otto Graf Lambsdorff besorgt habe. Weil das schon etwas her ist, gucken aber alle nur, was Goergen über Westerwelle schreibt. Es ist nichts wirklich Neues. Das aber ist mit präzisem Zorn beobachtet und mit der kühnen Vorhersage gewürzt, dass die FDP als Partei verschwinden werde, weil die Republik auf ein Zwei-Parteien-System zusteuere. Die aktuell recht guten FDP-Wahlergebnisse – Selbsttäuschung, sagt der Autor. Weil – zweite kühne These – 2006 es weder für Schwarz- Gelb noch für Rot-Grün reichen und dann klar werde, dass die FDP überflüssig sei. Inhaltlich überflüssig sei sie schon lange. Und das, weil sie nie dem Rat des Fritz Goergen gefolgt ist, sondern nur „nacktem Machtdrang“. Ein böses Buch? Ein trauriges Buch.

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