Politik : Pragmatisch bis ans Herz (Kommentar)

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Der Gag war nett, mit dem die Mitarbeiter im Verkehrsministerium ihren neuen Chef begrüßten. Ihm das Trikot des Vorstoppers vom 1. FC Saarbrücken zu schenken, dürfte Reinhard Klimmt gefallen haben. Allerdings sind die Möglichkeiten des Ministers, sich im neuen Amt als sozialer Aufpasser der Regierung zu präsentieren, begrenzt. Das Herz des Freundes von Oskar Lafontaine mag zwar weiter links schlagen. Der Berg von Problemen aber, den Franz Müntefering ihm hinterlassen hat, ist so groß, dass Klimmt ohne Pragmatismus unter ihm begraben wird. Gegen den Widerstand des grünen Koalitionspartners soll er den Transrapid durchsetzen. Bei der Verkehrswege-Planung fehlen ihm Milliarden. Die Haushaltslücken sind groß, Investitionen nicht gesichert, und noch ist völlig unklar, wie das Ministerium seinen Sparbeitrag für Hans Eichels Konsolidierungsprogramm zusammenkratzen will. Ganz nebenbei muss Minister Klimmt sich mit den Ländern noch auf die Reform des Wohngeldes einigen. Seine Arbeitsliste ist lang. Als Verkehrs- oder als Baupolitiker ist Klimmt bisher noch nicht aufgefallen. Das heißt nicht, dass er das schwierige Amt nicht ausfüllen könnte: Der Saarländer gilt als Mann, der sich gründlich in Themen einarbeiten kann und dann pragmatisch entscheidet. Das wird Klimmt nutzen, vor allem, weil er sich auf die üblichen 100 Tage Schonfrist für einen Neuen nicht verlassen kann. Dazu muss zu viel sehr schnell entschieden werden.

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