Politik : Premier Bertie Ahern wird Bestechlichkeit vorgeworfen

Martin Alioth

Der Skandal lädt dazu ein, die Probleme Irlands und der Welt in langen Stunden am Tresen mit lockerer Zunge zu lösen. Die Bestechlichkeit der irischen Gemeinderäte, namentlich der Kommunalbehörde für den Großraum Dublin, ist seit Jahren ein beliebtes Gesprächsthema. Aber nun ist das, was alle immer schon ahnten, beweisbar. Die einzige nennenswerte Kompetenz dieser verachteten Körperschaften liegt in der Raumplanung und der Vergabe von Baubewilligungen. Und jetzt hat ein ehemaliger Regierungssprecher, der sich inzwischen dem lukrativeren PR-Geschäft widmet, die Katze aus dem Sack gelassen: "Ich mag meine Ledermappe", fügte Frank Dunlop erläuternd hinzu, als er dem gerichtlichen Untersuchungsausschuss erzählte, wie er bündelweise Geldscheine aus seiner teuren Mappe in eine Plastiktüte umlud, bevor er diese einem Gemeinderat aushändigte. 15 der 78 Angehörigen des inzwischen aufgelösten "Dublin County Council" wurden 1991 so bedacht, um ein riesiges Einkaufszentrum zu genehmigen.

Zu Ostern berichteten Irlands Zeitungen genüsslich von weiteren Schmiergeldern - 1989 sollen zwei Kabinettsminister die Begünstigten gewesen sein. Premierminister Bertie Ahern dementierte vehement, er sei einer der beiden gewesen, aber die Regierungskoalition wackelt bereits. Die neuesten Enthüllungen runden ein unappetitliches Bild ab, das sich in den letzten zwei Jahren aufbaut: Bekannt ist, dass Charles Haughey, mehrfacher Premierminister Irlands im Zeitraum 1979-1997, schamlos korrupt war. Er erhielt Millionenbeträge (in Pfund) von Irlands Unternehmern, die in seinem Windschatten ihre Ersparnisse steuerfrei außer Landes schafften. Ein hoher Beamter der Dubliner Stadtverwaltung ist ebenfalls überführt. Der ehemalige Außenminister Ray Burke und der frühere EU-Kommissar Padraig Flynn zappeln im Netz. "Der keltische Tiger", wie das irische Wirtschaftswunder genannt wird, muss seinen Pelz waschen.

Der Nachweis der Korruption im Kommunalbereich erklärt das Gesicht der Großagglomeration Dublin. Über 20 Jahre wurden eintönige Wohnsiedlungen und postmoderne Einkaufszentren mitten in die Landschaft geklatscht, ungeachtet der ohnehin spärlichen öffentlichen Transportlinien, ungeachtet der vorhandenen Infrastruktur für Kanalisation und öffentliche Dienste. Die professionellen Raumplaner und Ingenieure rauften sich regelmäßig die Haare, wenn der Dubliner Gemeinderat gegen ihre Empfehlungen neue Projekte bewilligte. Die Vertreter der Immobilienhaie tummelten sich vor wichtigen Abstimmungen scharenweise in der Vorhalle des Ratssaales, um ihre willfährigen Schützlinge zum Wohlverhalten zu ermuntern. Die Namen der Bestochenen sind noch nicht öffentlich, aber mancher irische Politiker schläft inzwischen schlecht.

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