Politik : Premier weist Spaniens Anspruch auf britische Kronkolonie zurück

Der konservative Regierungschef von Gibraltar, Peter Caruana, ist bei den Parlamentswahlen in der britischen Kolonie im Süden der Iberischen Halbinsel im Amt bestätigt worden. Seine konservativ ausgerichtete Sozialdemokratische Partei kam auf 54 Prozent der Stimmen und behauptete damit ihre acht Mandate. Die Sozialistische Liberale Allianz des Oppositionsführers Joe Bossano erhielt nach den am Freitag veröffentlichen Wahlergebnissen 40 Prozent der Stimmen und - wie vor vier Jahren - sieben der 15 Sitze.

Der 43 Jahre alte Rechtsanwalt Caruana erklärte, er setze auf den Dialog mit Spanien. Eine Abtretung von Souveränitätsrechten an Spanien sei aber völlig ausgeschlossen. "Wir strecken Spanien die Hand der Freundschaft und der Zusammenarbeit aus", betonte der "Chief Minister". "Wir sind aber nicht bereit, die Souveränität als Preis für gute nachbarschaftliche Beziehungen zu zahlen." Sein langjähriger Rivale Bossano (60), der Gibraltar von 1988 bis 1996 regiert hatte, ist ebenfalls strikt gegen Zugeständnisse an Spanien. Der Sozialist gilt als noch "anti-spanischer" als Caruana.

Der so genannte "Affenfelsen" war Großbritannien 1713 im Vertrag von Utrecht zuerkannt worden und hat seit 1830 den Status einer Kronkolonie. Die Kolonie regiert sich weitgehend selbst. Großbritannien ernennt allerdings einen Gouverneur und ist zudem für die Verteidigung und die Außenpolitik verantwortlich. In Gibraltar gibt es heute nahezu keine Arbeitslosigkeit. Der Felsen hat sich zu einem wichtigen Finanzplatz und Tourismuszentrum entwickelt.

Spanien beansprucht weiterhin das Gebiet, in dem heute etwa 27 000 Menschen leben. Madrid begründet dies damit, dass die Briten Gibraltar damals mit militärischer Gewalt erobert hatten und Kolonien nach Beschlüssen der Vereinten Nationen abgeschafft werden sollten.

London lehnt eine Rückgabe Gibraltars an Spanien ab, weil nahezu die gesamte Bevölkerung des 6,5 Quadratkilometer großen Gebiets nicht zu Spanien gehören will. Schon 1967 stimmten 99 Prozent der Einwohner Gibraltars für einen Verbleib bei Großbritannien.

Spanien verschärfte im vorigen Jahr die Kontrollen an der Grenze zu Gibraltar. Es wirft den dortigen Behörden vor, den Drogenschmuggel und die Geldwäsche nicht ausreichend zu bekämpfen. Nach einem Vorschlag des spanischen Außenministers Abel Matutes sollten Spanien und Großbritannien sich die Souveränität über Gibraltar für eine befristete Zeit teilen. London lehnte diese Initiative bislang ab.

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