Presseschau zu 25 Jahren Mauerfall : So sieht die Welt die Einheitsfeier

Deutschland feiert 25 Jahre Mauerfall und die Welt sieht zu: Warum David Hasselhoff nicht mehr reicht, Merkel gut ankam und ein bisschen Nostalgie erlaubt ist. Die Presseschau.

Was für eine Inszenierung? Deutschland feiert das Mauerfall Jubiläum und dieses kostümierte Pärchen feiert mit. Wie wird der Jahrestag im Ausland gesehen?
Was für eine Inszenierung? Deutschland feiert das Mauerfall Jubiläum und dieses kostümierte Pärchen feiert mit. Wie wird der...Foto: dpa

Überall auf der Welt bewegt der Mauerfall vor 25 Jahren noch immer die Menschen. Alle Augen richteten sich am Sonntag deshalb auf die Einheitsfeier. Die internationale Presse hat viele gut gemeinte Vorschläge und ein bisschen Lob für das wiedervereinigte Deutschland.

USA

Für Fox News erinnert sich der Auslandskorrespondent Greg Palkot an den Mauerfall: "Es war kalt. Es war nass. Es war großartig", schreibt er. Anlässlich der Feierlichkeiten zu 25 Jahren Mauerfall weist er aber darauf hin, dass die Welt angesichts der Krise in der Ukraine in einen neuen Kalten Krieg zu schlittern drohe. Der Jahrestag stimmt ihn aber optimistisch: "Aber wie jene Mutigen, die verwunderten und überwältigten Ostdeutschen, die vor 25 Jahren durch die Lücke in der Betonbarriere des Kalten Krieges strömten, können jene, die nach Freiheit streben am Ende triumphieren."

Die New York Times ist begeistert:

Tausende Worte wurden gesprochen, hunderttausende Besucher nach Berlin gezogen und Millionen von Erinnerungen in unser digitales Gedächtnis übertragen, das es vor einem Vierteljahrhundert noch gar nicht gab. Wo Worte und Bilder nicht ausreichten, wurde das Genie von Bach und Beethoven herangezogen, um die Emotion auszudrücken", schreibt die New York Times in Anspielung auf die Inszenierung am 9. November in Berlin.

Großbritannien

Auf der Nachbarinsel lobt der britische Independent die Feier: "Poesie trifft teutonische Perfektion als die Deutschen den Jahrestag mit Licht, Freiheit und Ballons feiern", schreibt die von der "Lichtgrenze" offenbar tief beeindruckte Zeitung.

Der Guardian ist nachdenklicher: "Die Festivitäten offenbarten auch einige Erinnerungen daran, dass (...) die Narben der Geschichte heute mehr schmerzen denn je", schreibt das Blatt und verweist auf den ehemaligen sowjetischen Präsidenten Michael Gorbatschow, der vor einer Neuauflage des Kalten Krieges gewarnt hatte.

Magische Bilder der Lichtgrenze durch Berlin
Hinterm Horizont geht's weiter: Der feierliche Moment an der East Side Gallery.Weitere Bilder anzeigen
1 von 132Foto: Axel Schmidt / Reuters
12.12.2014 10:49Hinterm Horizont geht's weiter: Der feierliche Moment an der East Side Gallery.

Frankreich

Die Pariser Zeitung L'Opinion bemerkt: "In ihrem Kommentar zum Fall der Berliner Mauer vor 25 Jahren hat (Bundeskanzlerin) Angela Merkel darin zu Recht eine Botschaft der Hoffnung für die heutige und für die künftigen Generationen gesehen, die neue Mauern niederreißen könnten - Mauern der Diktatur, der Gewalt, der Ideologie. Die Botschaft vom 9. November 1989 ist eine dreifache. Erstens: Nichts kann das Streben der Völker nach Freiheit verhindern. Zweitens: Soft Power kann viel mehr bewirken als militärische Gewalt. Drittens: Exzessive Gleichmacherei ist tödlich für eine Gesellschaft."

Tschechien

Deutschland müsse auch nach vorn schauen, findet die tschechische Hospodarske noviny: "Nach dem spontanen Fall der Berliner Mauer und der raschen Wiedervereinigung festigte Deutschland in Europa den Eindruck, es werde sich fortan ganz auf den Ausbau seines eigenen Wohlstands konzentrieren. Doch nach einem Vierteljahrhundert hat sich der Kontext verändert. Angela Merkel muss die 25 Jahre alte Geschichte von der Erfüllung aller deutschen Wünsche um einen Ausblick in die Zukunft ergänzen.", schreibt die Zeitung und setzt nach: "Deutschland hat eine solche Wirtschaftsmacht erlangt, dass es nicht mehr reicht, nur mit David Hasselhoff «Looking for Freedom« zu singen."

Katar:

Der arabische Sender Al Jazeera hat Verständnis für pompöse Inszenierung der Feierlichkeiten: "Ein Vierteljahrhundert nach dem Fall der Berliner Mauer ist der Traum von einem freien Leben im Weste nicht länger ein Traum", schreibt der Sender in seinem Online-Auftritt. "Ein bisschen Nostalgie muss schon erlaubt sein.40 Jahre der der Teilung lassen sich nicht einfach durch den Fall der Mauer ungeschehen machen." (mit dpa und AFP)

Alle Ereignisse des Mauerfalls können Sie auch in unserem historischen Live-Blog nachlesen

4 Kommentare

Neuester Kommentar
      Kommentar schreiben