Politik : PRI bestimmt Kandidaten für die Wahlen im Juli 2000 - Ex-Innenminister siegt

Sigrun Rottmann

Der Kandidat der regierenden Partei der Institutionalisierten Revolution (PRI) für die mexikanischen Präsidentschaftswahlen im Juli 2000 heißt Franscisco Labastida. Bei der ersten öffentlichen Wahl des PRI-Anwärters für das Amt des Staats- und Regierungschefs schnitt Labastida am Sonntag wesentlich besser ab als erwartet. Der ehemalige Innenminister habe in mindestens 272 von 300 Wahlkreisen eine Mehrheit erzielt, erklärte die Parteiführung am Montagmorgen. Sein stärkster Konkurrent Roberto Madrazo konnte nach dem vorläufigen Ergebnis rund 20 Bezirke für sich verbuchen.

Entgegen allen Gerüchten über seinen bevorstehenden Parteiaustritt erklärte Madrazo zunächst, er werde weiter für eine Reform der PRI kämpfen. "Es war von Anfang an klar, dass wir gegen verkrustete Strukturen und Widerstände gegen Reformen schwer ankommen würden", kommentierte er seine Niederlage. Während des Wahlkampfes hatte der Ex-Gouverneur von Tabasco Labastida vorgeworfen, er sei der "Lieblingskandidat" der PRI und habe die Parteimaschinerie hinter sich. Diese habe einen fairen und demokratischen Wettbewerb verhindert.

Mit der Wahl hat die PRI nach 70 Jahren an der Regierung mit der Tradition gebrochen, dem amtierenden Präsidenten das letzte Wort über den "Kronprinzen" zu überlassen. Sie hatte alle wahlberechtigten Bürger aufgerufen, ihre Stimme abzugeben. Wie viele Mexikaner zu den Urnen gingen, war zunächst nicht bekannt. Nach ersten Berichten kam es nur vereinzelt zu Unregelmäßigkeiten.

Staats- und Parteichef Ernesto Zedillo war in den vergangenen Wochen sehr darauf bedacht, jeden Verdacht über eine besondere Sympathie für Labastida zu zerstreuen. Am Sonntag machte er nach eigenen Angaben hinter den Namen aller vier Kandidaten ein Kreuzchen, obwohl der Stimmzettel dadurch ungültig wurde. Außerdem habe er für alle drei Männer gestimmt, die sich um die Kandidatur für den Posten des Bürgergermeisters von Mexiko-Stadt beworben hatten, erklärte Zedillo. PRI-Anwärter auf diesen Posten ist nun Jesus Silva Herzog, der wie Labastida von vielen Kommentatoren als "offizieller Kandidat" bezeichnet worden war.

Präsident Zedillo erklärte die Wahl zu einem "historischen" Ereignis und großen Fortschritt in der Demokratisierung Mexikos. Labastida gab "die Geburt einer neuen PRI" bekannt.

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