Politik : Privatversicherung bald um 37 Prozent teurer?

Ministerium rechnet mit Kostenanstieg für Neuverträge durch Zwang zu besseren Wechselmöglichkeiten

Maren Peters

Berlin - Auf die privaten Krankenversicherer könnten gravierende Veränderungen zukommen, die weit über die von der Koalition beschlossenen Eckpunkte zur Gesundheitsreform hinausgehen und Verträge vor allem für jüngere Versicherte um bis zu 37 Prozent verteuern könnten. Das geht aus einem Arbeitsentwurf des Bundesgesundheitsministeriums hervor, der dem Tagesspiegel vorliegt. Volker Leienbach, Chef des Verbands der privaten Krankenversicherungen (PKV), bezeichnete die Pläne als „klaren Verstoß gegen die Eckpunkte zur Gesundheitsreform“ und als „Ende der Vollversicherung“. Ein Sprecher des Bundesgesundheitsministeriums hielt dagegen, der Entwurf sei nur ein „allererstes Arbeitspapier zur Umsetzung“ der Koalitionseckpunkte, das bereits überholt sei. Zu Details wollte er am Mittwoch keine Stellung nehmen.

Dem Expertenentwurf zufolge sollen die privaten Krankenversicherungen zwar erhalten bleiben, sie werden den gesetzlichen Kassen aber stärker angepasst und die Wechselmöglichkeiten zwischen privaten und gesetzlichen Versicherern (GKV) erheblich vereinfacht.

So soll es bei den Privaten künftig einen Basistarif für alle freiwillig Versicherten geben. „Der Leistungsumfang ist bei allen Versicherten gleich“, heißt es in dem Arbeitspapier, der Inhalt solle den Pflichtleistungen der GKV entsprechen. Ziel der Änderungen sei es, die Tarife transparenter und dadurch für Versicherte besser vergleichbar zu machen. In diesem Basistarif sollen die Privatversicherer – wie bereits die gesetzlichen Kassen – alle Versicherten ohne vorherige Gesundheitsprüfung aufnehmen. Bisher konnten die Privaten Bewerber ablehnen, wenn ihnen das Gesundheitsrisiko als zu hoch erschien und sie hohe Kosten befürchten mussten.

Um einen Wechsel auch zwischen privaten Kassen zu ermöglichen, sollen die Versicherten darüber hinaus die Möglichkeit erhalten, ihre Alterungsrückstellungen mitzunehmen. Bisher ist das verboten, ein Wechsel dadurch unattraktiv. Alterungsrückstellungen sind ein zentraler Bestandteil der Beitragsberechnung der PKV. Sie werden für jeden privat Versicherten individuell angespart. Das soll verhindern, dass die Beiträge mit zunehmendem Alter – und damit wachsendem Krankheitsrisiko – deutlich ansteigen.

Um zu verhindern, dass die „guten Risiken“ künftig verstärkt abwandern und den Privaten nur die „schlechten Risiken“ bleiben, sieht das Arbeitspapier einen Risikostrukturausgleich auch zwischen privaten Versicherern vor. Auch den gibt es bisher nur innerhalb der GKV.

Für die Versicherten hätten die Neuregelungen gravierende Folgen. Ihre Prämien würden sich teilweise deutlich erhöhen, wie aus einer Beispielrechnung hervorgeht. Das träfe vor allem auf jüngere Versicherte zu, weil bei ihnen die Wechselwahrscheinlichkeit größer ist, heißt es in dem Papier. Für einen 25-Jährigen, der sich im PKV-Standardtarif neu versichern wollte, würde der Beitrag um 25,3 Prozent steigen. Wäre sein Vertrag schon zehn Jahre alt, müsste er künftig 36,54 Prozent drauflegen.

Die Umsetzung des Arbeitspapiers würde die Privatversicherer „schrecklich unattraktiv“ machen, kritisierte Verbandschef Leienbach. „Das würde bedeuten, dass faktisch die Bürgerversicherung eingeführt wird.“ Er habe „die klare Erwartung, dass nachgebessert wird“.

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