Politik : Pro Mensch eine Mine

Unicef-Bilanz: Zwei Millionen Kinder sind Opfer von Kriegen

Jan Dörner

Die roten Fahnen auf Wiesen und Äckern bedeuten Gefahr. Sie warnen vor Landminen. In Angolas Boden liegen so viele Minen, wie das südafrikanische Land Einwohner hat: zwölf Millionen. Seit April 2002 ist Frieden in Angola, aber die Minen erinnern täglich an 30 Jahre Bürgerkrieg, wenn ein Kind beim Spielen auf einen Sprengsatz tritt. 60 Prozent der Angolaner sind jünger als 18 Jahre. Sie sind die Kriegskinder, die noch nie Frieden erlebt haben.

Das UN-Hilfswerk Unicef schätzt, dass 10 000 Kinder im Bürgerkrieg als Soldaten missbraucht wurden. Seit Beginn der Kämpfe im Jahr 1975 zwischen Regierungstruppen und Unita-Rebellen mussten vier Millionen Menschen aus ihren Dörfern fliehen. Fast zwei Drittel waren Kinder, durch die Kämpfe haben etwa 100 000 von ihnen ihre Familien verloren. Viele Waisen leben jetzt auf den Straßen der Hauptstadt Luanda. „Die Kinder der Kriegsgeneration sind tief verstört: Sie sind depressiv, kontakt- und lernunfähig“, berichtet Reinhard Schlagintweit, Chef von Unicef-Deutschland. „Wir brauchen Schulen, um die Traumata verarbeiten zu können.“ Dort könne außerdem über die Gefahr der Minen und Aids aufgeklärt werden. Noch geht aber weniger als die Hälfte der angolanischen Kinder zur Schule. Unicef hat seit Kriegsende mehr als 1500 Klassenräume renoviert und fast 800 Dorfschulen gebaut. Wo schon unterrichtet wird, bekommen die Schüler Bücher und Hefte. „Mit Schulen kehrt Normalität ins Leben zurück“, hofft Schlagintweit.

Kriege und Kämpfe haben weltweit allein in den neunziger Jahren zwei Millionen Kinder getötet und sechs Millionen verletzt, schätzt Unicef. Mehr als eine Million Kinder haben ihre Eltern verloren, fast 20 Millionen mussten flüchten. Überall auf der Welt werden Kinder gezwungen, Täter zu sein: Es gibt rund 300 000 Kindersoldaten, von denen manche gerade zehn Jahre alt sind.

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