Politik : Pro Patria

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Foto: Rückeis / Montage: DP

HINTER DEN LINDEN

Als die alten Germanen sich auf die Völkerwanderung machten, gab es leider den Baedecker noch nicht. Kimbern und Teutonen waren folglich schlecht vorbereitet auf die Sitten und Gebräuche fremder Völker, was zu einigen bedauerlichen Missverständnissen führte. Die Ruinen Roms legen davon Zeugnis ab. Eingedenk dessen hat man darum den neueren Germanen, als sie sich in den 50ern mit frisch erworbenem Wirtschaftswundergeld auf in die Ferne machten, praktische Verhaltensmaßregeln eingebleut (Keine kurzen Hosen in der Kirche!) sowie eine allgemeine Mahnung: Der Deutsche im Ausland habe als Botschafter seiner Heimat aufzutreten. Man kommt in diese Rolle schneller als man denkt.

Als dieser Tage der Edmund Stoiber im Kosovo war, war er verabredet mit dem UN- Verwalter Steiner und dem Präsidenten Rugova. Die beiden Herren warteten in Pristina. Der Stoibersche Presse-Tross kam auch per US-Armee-Hubschrauber pünktlich vorher eingeschwebt. Wer nicht kam, war Stoiber. Weil nämlich der Bundeswehr-Hubschrauber kaputt ging und Ersatz nicht zu bekommen war, weil die übrigen drei deutschen Großraum-Helikopter auch gerade kaputt sind. Was dem Kandidaten Gelegenheit bot zu der ätzenden Bemerkung, da sehe man mal wieder, was rauskomme, wenn die Bundeswehr zu wenig Geld kriege. In Pristina aber hat der Botschafter Steiner kurzerhand den Presse-Tross ins Konferenzzimmer gebeten, ihnen den für Stoiber gedachten Kaffee vorsetzen lassen, und Präsident Rugova hat eben den Journalisten gesagt, was er dem Gast sagen wollte. Deutsche sind Deutsche, mag Rugova sich gedacht haben: Hauptsache, sie hören zu. Robert Birnbaum

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