Politik : Probe ohne Kunden

Viele Spediteure nehmen nicht am Maut-Test teil. Viele andere klagen über technische Probleme. Nur einer ist zufrieden

Bernd Hops

Die Lkw-Maut ist da. Seit Sonntag können Spediteure mit dem neuen System üben, bevor dann – sollte alles gut gehen – vom 2. November an tatsächlich Gebühren fällig werden. Es gibt bloß ein Problem: Kaum einer ist daran interessiert, für das Betreiberkonsortium Toll Collect das Versuchskaninchen zu spielen und im Internet oder an Mautautomaten Lkws anzumelden. „Wir haben noch nicht probegebucht“, heißt es etwa bei der Spedition Friedrich Schulze in Berlin. „Der Zeitaufwand ist uns viel zu groß.“ Der Betrieb geht davon aus, dass er bis zum November für seine Lkws die On-Board-Units (Obu) erhält – Bordcomputer, mit denen die Mautanmeldung und -abrechnung per Satellit ganz automatisch geht. Da lohne es sich nicht, vorher mit Internet oder Automat zu hantieren.

Denn das kann nach den ersten Erfahrungen dauern. In Bayern etwa, berichtet der Logistikverband, hätten einige Fahrer bis zu 40 Minuten vor den Mautautomaten stehen müssen, bis sie endlich ihr Ticket hatten. Auch das Internet sei nicht viel schneller gewesen – bei Ladezeiten von bis zu einer halben Stunde. Andere Erfahrungen hat die Reutlinger Spedition Willi Betz gemacht. „Wir haben heute früh im Internet einige Strecken zur Probe gebucht“, sagt Günter Rocher, der Maut-Beauftragte des Unternehmens. Dauer: eine Minute. Und mehrere Fahrer hätten sich auch an Mautautomaten an Tankstellen probiert. „Das ging irgendwie.“ Rochers Fazit: „Alles überraschend schnell.“ Die Spedition werde auch weitere Probebuchungen machen, „um Routine zu bekommen“.

Darauf ist Toll Collect dringend angewiesen. Denn das Maut-System ist in der Praxis noch nicht geprüft worden. Ab Mitte September wird es ernst. Toll Collect rechnet mit dann 100 000 bis 200 000 Lkws, die das System täglich testen – per Internet, Mautautomat oder Obus. Im Vergleich dazu fallen die ersten Zahlen mager aus. Bis Montagvormittag registrierte Toll Collect gerade einmal 1500 Buchungen an Automaten, 300 im Internet und 30 000 Lkws mit Obus auf mautpflichtigen Strecken. Für das Konsortium Grund zum Jubel. Die Einführung der Maut sei „sehr gut“ verlaufen, sagte Michael Rummel, Geschäftsführer von Toll Collect.

Spediteure berichten dagegen von massenhaften Obus-Ausfällen. Der Präsident des Bundesverbands Spedition und Logistik, Manfred Boes, forderte, den offiziellen Start der Maut auf den 1. Januar 2004 zu verschieben. Aber eine Garantie für den 2. November hat Toll Collect bisher ohnehin nicht abgegeben.

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