Politik : Problem erkannt

-

Neben der offiziellen OSZEKonferenz hatte sich auch eine breite Koalition von Nichtregierungsorganisationen (NGOs) in Berlin eingefunden – initiiert vom American Jewish Committee (AJC) und dem Zentralrat der Juden in Deutschland. Deidre Berger, die Leiterin des AJC-Büros in Berlin, war nicht nur überrascht von der großen Zahl von nichtjüdischen Organisationen, die sich inzwischen des Themas Antisemitismus annehmen: „Wir haben auch eine Kooperation verschiedenster amerikanisch-jüdischer Organisationen hier in Berlin erlebt, die es in diesem Ausmaß vorher noch nie gegeben hat.“

In der Abschlusserklärung des NGO-Forums werden drei Formen von Antisemitismus unterschieden: Den „klassischen“ Antisemitismus der Rechtsradikalen, Attacken einer radikalisierten Minderheit von Muslimen gegen Juden. Antisemitismus sei aber auch, wenn jemand Israel das Existenzrecht als jüdischem Staat abspreche oder andere Maßstäbe bei der Kritik anlege als an andere Staaten der Welt. Die Erklärung fordert die OSZE-Staaten auf, vergleichbare Daten über antisemitische Vorfälle zu erheben, um eine flächendeckende Analyse zu ermöglichen.

Nach der UN-Konferenz über Rassismus in Durban im Jahr 2001, als jüdische NGOs von der begleitenden Tagung ausgeschlossen wurden, war Berlin ein Zeichen dafür, dass es bei westlichen Nichtregierungsorganisationen nun eine erhöhte Sensibilität in Sachen Antisemitismus gibt. So nahm eine Koalition von 18 Menschenrechtsorganisationen aus den USA an der NGO-Konferenz teil. „Das ist ein Signal dafür, dass auch bedeutende nichtjüdische Organisationen Antisemitismus als wichtiges Thema sehen und ihn als große Gefahr für gemeinsame demokratische Werte begreifen“, sagt Deidre Berger. clw

0 Kommentare

Neuester Kommentar
      Kommentar schreiben