Politik : Prodi ist populär – aber von vielen Rivalen umstellt

Die Anhänger der italienischen Mitte-Links-Opposition wählen erstmals ihren Spitzenkandidaten

Paul Kreiner[Rom]

Rom - Sechs Monate nach den Regional- und sieben Monate vor den Parlamentswahlen sehen sich die Anhänger der italienischen Mitte-Links-Parteien schon wieder zu den Urnen gerufen. Erstmals in der Geschichte des Landes sollen sie am Sonntag in einer Urabstimmung den Spitzenkandidaten der Opposition wählen. Sie entscheiden damit, wer den regierenden Ministerpräsidenten Silvio Berlusconi herausfordert, dessen Koalitionslager nach Streitigkeiten am Samstag den Rücktritt des Chefs der Christdemokraten (UDC), Marco Follini, zu verkraften hatte.

Schon einmal, nämlich 1996, hatte Romano Prodi gegen Berlusconi gewonnen. Die nächste Wahl, 2001, ging unter dem Zentristen Francesco Rutelli  verloren. Dennoch wollte Rutelli für 2006  nicht klein beigeben; andere Parteien der Opposition hingegen setzten auf Prodi – damit begann die erste Rivalität.

Die zweite ist ein Strukturproblem. Die italientypische Spaltung der Politiklandschaft in eine linke und eine rechte Hälfte führt dazu, dass mit Brachialgewalt Parteien zusammengespannt werden, die inhaltlich unter Umständen wenig gemein haben. Wenn sich  dann nicht ein eindeutiger Führer herausstellt – so wie es Berlusconi für die rechte Hälfte seit seinem Einstieg in die Politik 1993 war –, dann rivalisieren die kleineren in wechselnden Konstellationen  unter sich. So ist es  bei der Opposition. Das erschwert Prodis Lage. Auch wenn er als Führer des losen „Olivenbaum“-Bündnisses gleich nach seiner Rückkehr aus Brüssel im November 2004 als der „natürliche“ Vormann der Opposition galt – eine eigene Partei, eine Hausmacht hat er bis heute nicht.

Die Landtagswahlen im Frühjahr hat die Opposition, nicht zuletzt wegen  Prodis starkem Wahlkampfeinsatz, in gänzlich unerwartetem Ausmaß gewonnen. Als dann alle dachten, Prodis Position sei von nun an unanfechtbar, schoss Rutellis Margherite quer und erklärte, nicht mit dem gemeinsamen Oppositions-Emblem, sondern unter eigener Fahne in die Wahlkampagne ziehen zu wollen. Prodi hatte sich ein wenig an Fausto Bertinotti, den Chef der „Kommunistischen Neugründung“, angenähert, und die Margherite stellte ihn sofort unter Links-Verdacht.

Am Sonntag nun führt Bertinotti, dem Losentscheid folgend, die sieben Namen umfassende Liste an, aus der die Wähler der Opposition ihren Spitzenkandidaten küren sollen. Rutelli ist gar nicht erst angetreten. Chancen werden bei dieser Urabstimmung nur Prodi eingeräumt. Auf 60 Prozent kam er bei einer  Vor-Vorwahl der Zeitung „La Repubblica“. Bertinotti erreichte wenig mehr als 20 Prozent, die anderen – ein Grüner, ein Unabhängiger, eine Globalisierungsgegnerin, der „Europäische Demokrat“ Clemente Mastella sowie der ehemalige Staranwalt Antonio di Pietro – rangierten  unter ferner liefen.

Und schon setzt das Buhlen um Prodi ein. Ausgerechnet Rutelli bietet dem Rivalen plötzlich die Führung der Margheriten-Wahlliste an. Rutelli denkt sich nun, mit dem populären Zugpferd könne seine Zehn-Prozent-Partei im Mitte-Links- Bündnis endlich zu den doppelt so großen Linksdemokraten aufschließen.

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