Politik : Prodi kritisiert Berlin, Paris und London

Thomas Gack

Gent. Das gemeinsame militärische Engagement von Briten, Franzosen und Deutschen an der Seite der amerikanischen Verbündeten nimmt Gestalt an. Zum Auftakt des informellen EU-Gipfeltreffens in Gent sind Bundeskanzler Gerhard Schröder, der französische Staatspräsident Jacques Chirac und der britische Premierminister Tony Blair am Freitag vor Beginn der Ratssitzung zu einem separaten Gespräch zusammengekommen, um ihren militärischen Beitrag zum gemeinsamen Kampf gegen den Terrorismus abzusprechen.

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Fotostrecke: Bilder des US-Gegenschlags Der "Mini-Gipfel der drei Großen" war zuvor auf die Kritik einiger kleiner EU-Partner gestoßen, die sich übergangen fühlten. Der "Dreiergipfel vor dem Gipfel" beeinträchtige die Geschlossenheit der europäischen Antwort auf die Terroranschläge, hieß es aus Kreisen des sichtlich verärgerten Gastgebers, des belgischen Premierministers Guy Verhofstadt. Auch der Präsident der EU-Kommission, Romano Prodi, beklagte sich offen über das Vorgehen der drei großen Mitgliedsländer. "Es missfällt mir, dass nur wenige Staaten einbezogen sind und andere nicht."

Dagegen bemühte sich am Freitag der belgische Außenminister Louis Michel, die Wogen zu glätten: Es sei nur natürlich, dass die militärischen Fragen von denen geklärt werden, die sich auf diesem Feld engagieren wollten. Für die Gipfelgespräche sei es letztlich von Vorteil, wenn die drei großen Staaten die Initiative ergriffen und schon im Vorfeld Positionen bezögen. Im Übrigen hätten Tony Blair und Guy Verhofstadt inzwischen miteinander telefoniert und festgestellt, dass sie sich "in der Analyse" einig seien.

Der Sprecher des britischen Premierministers hielt unterdessen den Kritikern des Dreier-Treffens entgegen: "Es kann gar kein Zweifel daran bestehen, dass Europa mit einer Stimme spricht. Es besteht hier ein bemerkenswerter Grad von Solidarität."

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