Politik : Prodi will mit mindestens acht Frauen regieren

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Rom - Der Sieger der italienischen Parlamentswahlen, Romano Prodi, will ein Drittel seines Kabinetts mit Frauen besetzen. Der neuen Mitte-links-Regierung sollen acht oder neun Frauen angehören.

Der scheidende Ministerpräsident Silvio Berlusconi will seine Wahlniederlage offenbar noch immer nicht wahrhaben, berichtete die Mailänder Zeitung „Corriere della Sera“. Berlusconi denke über neue Einsprüche gegen das Wahlergebnis nach.

Mit Spannung wird die erste Sitzung des neu gewählten Parlaments an diesem Freitag erwartet. Dabei soll nach dem Willen Prodis der Kommunistenführer Fausto Bertinotti zum Präsidenten der Abgeordnetenkammer gewählt werden. Der 66-jährige Bertinotti ist Vorsitzender der einflussreichen Partei Rifondazione Comunista (Kommunistische Wiedergründung), einer der größten Parteien im Prodi-Bündnis „Unione“. Dabei hatte Romano Prodi den Kommunistenführer zeitweise schlichtweg für „verrückt“ erklärt. Das war 1998, als Bertinotti die erste Linksregierung in Italien und Prodi als Ministerpräsident eiskalt zu Fall brachte und ihm seine Unterstützung entzog. Damit sich so etwas Hässliches nicht wiederholt, macht Prodi Bertinotti nun dieses ganz besondere Geschenk.

Im Senat dagegen steht eine Kampfabstimmung um den Vorsitz bevor. Das Mitte-rechts-Lager Berlusconis schickt den siebenmaligen Ministerpräsidenten Giulio Andreotti (87) ins Rennen, Prodis Mitte-links-Allianz unterstützt dagegen den Gewerkschafter Franco Marini. Andreotti, der Senator auf Lebenszeit ist, bestimmte jahrzehntelang die Nachkriegspolitik in Italien. Kritiker sehen ihn als Symbol der Anfang der 90er Jahre gestürzten „Schmiergeldrepublik“. Italienische Medien rechnen mit einer knappen Mehrheit für Marini.

Prodi dringt auf eine rasche Regierungsbildung. Er wolle seine Kabinettsliste bereits bis zum Wochenende fertig stellen, zitierten ihn Zeitungen. Favorit für das Außenministerium sei der Präsident der Linksdemokraten, Massimo D’Alema. Als Innenminister sei der frühere römische Bürgermeister Francesco Rutelli im Gespräch, als Industrieminister der Vorsitzende der Linksdemokraten, Piero Fassino.

Unklar war am Donnerstag noch immer, ob der scheidende Staatspräsident Carlo Azeglio Ciampi den offiziellen Auftrag zur Regierungsbildung gibt oder sein Mitte Mai zu wählender Nachfolger. dpa

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