Politik : Profit-Partei

Cordula Eubel

Foto: Rückeis / Montage: DP

HINTER DEN LINDEN

Viel zu selten wird über die Achse Berlin-Peking gesprochen. Beinahe zeitgleich haben die KP (Kommunistische Partei) in China und die PDS (Partei des Demokratischen Sozialismus) in Deutschland entdeckt, dass Gewinnerzielung ein legitimes Interesse von Unternehmern ist. „Unternehmerisches Handeln und Gewinninteressen sind wichtige Voraussetzungen für Innovation und wirtschaftliche Leistungsfähigkeit“, steht seit dem Chemnitzer Parteitag 2003 im Programm der PDS. Wenn auch prompt die Einschränkungen folgen: Solange die Gewinnerzielung auf die betriebswirtschaftliche Logik der einzelnen Unternehmen beschränkt bleibe und „dem Profitstreben des Einzelkapitals unterworfen“ sei, sei sie nicht mehr positiv zu bewerten. Aber immerhin: ein grundsätzliches Bekenntnis der PDS zum Unternehmertum.

Ein bisschen mehr von diesem neuen Kapitalismusglauben der Sozialisten könnte sich auch Bundestagspräsident Wolfgang Thierse (SPD) bei der PDS abgucken. Das findet zumindest die PDS-Parlamentarierin Petra Pau. Dass Thierse die deutschen Firmenbosse, die im Ausland nach Profit streben, als „vaterlandslose Gesellen“ beschimpft, kann Pau gar nicht verstehen. „Thierse macht Spaß“, vermutet die Bundestagsabgeordnete. „Er kritisiert, weil sich Unternehmen so verhalten, wie sich Unternehmen verhalten müssen. Er schimpft, weil Unternehmen nach Profit streben“, wundert sich Pau. Doch früher hätten sich Unternehmen auch nicht patriotischer verhalten, erinnert die PDS-Politikerin. Thierses Äußerungen kommentiert sie mit ein wenig Häme: „Typisch WendeOssi: Zu viel vergessen, zu wenig dazugelernt.“

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