Projekt : Opfer von Menschenhandel sollen Hilfe bekommen

Opfer von Menschenhandel und Zwangsarbeit in Deutschland brauchen mehr Hilfe. Sie haben Angst und wissen zu wenig, um ihre Rechte einzufordern, so eine Studie. Ein neues Projekt soll helfen.

Saskia Weneit

BerlinNach Schätzungen der Internationalen Arbeitsorganisation (ILO) gibt es in Deutschland pro Jahr rund 15 000 Fälle von Menschenhandel. Andere Experten gehen von bis zu 30 000 Betroffenen aus, die in Deutschland als Zwangsprostituierte arbeiten. Verlässliche Zahlen gibt es nicht. Problem ist die Erfassung der Opfer, die sich meist scheuen, Strafanzeige zu erstatten und ihre Rechte kaum kennen. Das Projekt „Zwangsarbeit heute: Betroffene von Menschenhandel stärken“ soll nun helfen, Ansprüche vor Gerichten und Behörden geltend zu machen, teilte das Institut für Menschenrechte in Berlin mit. Es ist auf drei Jahre angelegt. Die Zwangsarbeiter-Stiftung „Erinnerung, Verantwortung, Zukunft“ wird es mit rund 600 000 Euro unterstützen.

„In Deutschland werden Betroffene hauptsächlich als Zeugen gegen die Täter in strafrechtlichen Prozessen wahrgenommen“, sagte Heiner Bielefeldt, Institutdirektor. Die Durchsetzung ihrer Rechte scheitere daran, dass sie nicht als Opfer erkannt und aufgrund ihres illegalen Aufenthaltsstatus abgeschoben würden. „Nur für die Zeit des Prozesses wird den Betroffenen ein Bleiberecht garantiert. Dann müssen sie ausreisen“, sagte Petra Follmar-Otto, Abteilungsleiterin Menschenrechtspolitik des Instituts und Mitautorin der Studie „Menschenhandel in Deutschland“. Dies mache es den Tätern besonders leicht, sie müssten weder Anzeigen noch Entschädigungsforderungen fürchten.

„Es geht nicht nur um Geld. Sondern auch um die Wiedergewinnung der eigenen Handlungskompetenz“, sagte Bielefeldt. Opfer von Menschenhandel erlebten einen absoluten Kontrollverlust. Den Hauptanteil machten Frauen und Kinder aus, die in Prostitution oder Ehe verkauft würden. Auch in privaten Haushalten, der Baubranche und der Gastronomie leisten Menschen Zwangsarbeit. Die Mehrzahl der Opfer kommt aus Osteuropa. 

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