Politik : Projekt zur Privatisierung der Truppenküche gescheitert

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Berlin - Ein Pilotprojekt des Bundesverteidigungsministeriums zur Privatisierung von Truppenküchen ist gescheitert: Die Dussmann-Gruppe kündigte ihren Vertrag über die Bewirtschaftung von 13 Truppenküchen in Bayern zum Ende des Monats. Als Hauptgrund nannte das Unternehmen Schwierigkeiten mit dem Personal, das disziplinarisch der Bundeswehr unterstellt ist. Es seien zu wenig Mitarbeiter, viele von ihnen seien ungenügend qualifiziert gewesen, so eine Firmensprecherin. Fehlende Absprachen hätten im Bundeswehrapparat dazu geführt, dass zu viele Lebensmittel gekauft, verarbeitet und schließlich weggeworfen worden seien. Der auf zwei Jahre angelegte Modellversuch war im August 2005 gestartet und sollte zeigen, ob privat betriebene Truppenküchen wirtschaftlicher sind als die der Wehrverwaltung.

„Wir halten am Vertrag fest“, sagte ein Sprecher des Bundesverteidigungsministeriums auf Anfrage. Der Ausstieg der Dussmann-Gruppe habe sich schon seit einiger Zeit abgezeichnet, heißt es aus der Gesellschaft für Entwicklung, Beschaffung und Betrieb mbH (Gebb), die die beiden Vertragspartner zusammenbrachte. „Das Küchenpersonal hat den Versuch der Privatisierung offenbar als feindliche Übernahme betrachtet“, sagt Gebb-Sprecher Lothar Lewien.

Indes steht auch der Gebb eine Neuerung ins Haus: Die privat betriebenen Fuhrpark- und Bekleidungsunternehmen sollen aus der Gesellschaft herausgelöst werden und in Zukunft von der „Abteilung Modernisierung“ des Verteidigungsministeriums direkt verwaltet werden. Entsprechende Pläne werden derzeit im Verteidigungsausschuss diskutiert. „Die Rolle des Gesellschafters soll damit ans Verteidigungsministerium übertragen werden“, sagte ein Sprecher des Ministeriums.

Derzeit tritt die Gebb noch als Anteilseigner der Fuhrparks- und Bekleidungsunternehmen auf. Durch die Übertragung der Anteile auf das Bundesverteidigungsministerium könnten der Modernisierungsprozess der Institution unmittelbar aus einer Hand gesteuert werden. Die Gebb werde ihr operatives Geschäft so weiter führen wie bisher. Dazu gehören etwa die Vermarktung von Windkraftanlagen auf militärischem Gelände oder das Marketing für leerstehende Kasernen. Außerdem soll die Gesellschaft die Bundeswehr auch in Zukunft beraten.S.K./dpa

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