Propaganda des IS : Hetzen in Hochglanz

Im Online-Magazin "Dabiq" agitiert der "Islamische Staat" mit grausigen Bildern und Texten voller Hass. Die Sicherheitsbehörden überlegen, im Internet die Terrormiliz mit ihren eigenen Waffen zu schlagen.

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Kampfbereit – auch solche Bilder sind Bestandteil der IS-Propaganda. Sie sollen dem Betrachter suggerieren: Wir sind stark, fürchtet euch vor uns!
Kampfbereit – auch solche Bilder sind Bestandteil der IS-Propaganda. Sie sollen dem Betrachter suggerieren: Wir sind stark,...Foto: Welayat Tarablos/AFP

Die Lektüre ist verstörend. Am Ende eines Textes über die Verbrennung des jordanischen Piloten Muaz al Kasaesbeh steht: "Wir bitten Allah, Rache zu nehmen für die Muslime und die Kämpfer und Feuer und Zerstörung regnen zu lassen auf die Ungläubigen und die Abtrünnigen, wo immer sie sind." Es folgt ein Foto des im Eisenkäfig liegenden Opfers – in Flammen.

Diese Schocker sind nicht die einzigen in der aktuellen Ausgabe von "Dabiq", dem englischsprachigen Online-Magazin der Terrormiliz "Islamischer Staat" (IS). Mehr Hass, mehr frömmelnder Zynismus, mehr Grausamkeit sind kaum vorstellbar. In der Ausgabe zuvor hatte der Pilot seinen eigenen Tod in einem "Interview" angekündigt.

Die Propaganda soll zusammenschweißen

Die IS-Propaganda im Internet halten Sicherheitsexperten für eine seiner gefährlichsten Waffen. "Dabiq" bereitet den Behörden noch mehr Sorge als die Videos, in denen Kämpfer in Syrien und im Irak die Fahne der Miliz schwenken, in Kolonnen von Humvees und Pick-ups durch Orte brausen oder abgetrennte Köpfe vor Kameras halten, wie es im November der Berliner Dschihadist Denis Cuspert tat. "In ,Dabiq‘ wird jede Aktion des IS religiös und historisch erklärt", sagt ein hochrangiger Sicherheitsexperte. "Das verschafft den Mitgliedern eine Identität und hält sie zusammen."

Der Flammentod des Jordaniers wird im Magazin mit der Verbrennung von Feinden gerechtfertigt, die im siebten Jahrhundert Abu Bakr, der erste Kalif nach dem Tod des Propheten Mohammed, angeblich befohlen hatte. Der IS instrumentalisiert Abu Bakr und weitere historische Figuren des Islam, um für die exzessive Terrorherrschaft Legitimität zu beanspruchen. Dazu passt, dass sich der Anführer der Miliz selbst Abu Bakr al Baghdadi nannte, bevor er sich im Juni 2014 nach dem Feldzug im Irak zum Kalifen namens "Ibrahim" aufschwang.

Schlacht zwischen Muslimen und Christen

Im Juli tauchte im Internet die erste Ausgabe von "Dabiq" auf. Schon der Name ist Programm. Dabiq, ein Ort im Norden Syriens, ist in der Fantasie der Islamisten einer von zwei möglichen Schauplätzen einer endzeitlichen Schlacht zwischen Muslimen und Christen, die dann vernichtet werden.

Produziert wird "Dabiq" von der Propaganda-Abteilung des IS, dem "Al Hayat Media Center". Wo der Server steht, ist unklar. "Wir vermuten an der syrisch-irakischen Grenze", heißt es in Sicherheitskreisen, "vielleicht aber auch woanders." Die seit Februar kursierende Ausgabe ist Nummer sieben. Die erste erschien auch auf Deutsch.

Das Hetzblatt wird in Form eines Hochglanzmagazins präsentiert, mit vielen Farbfotos. Ähnlich und länger schon agitiert Al Qaida. Die Filiale im Jemen stellt seit 2010 das Magazin "Inspire" ins Netz. Wie der Name sagt, sollen Anhänger inspiriert werden, sich Al Qaida anzuschließen – oder auf eigene Faust aktiv zu werden. 2011 wurde bei "Inspire" der Kosovare Arid Uka gelobt, der am Frankfurter Flughafen zwei US-Soldaten erschoss. "Inspire" bietet auch Anleitungen zum Bau von Bomben.

Aufputschmittel für die Leser

Darauf verzichtet "Dabiq". Dennoch halten Sicherheitsexperten die Terrorillustrierte des IS für mindestens genauso bedrohlich. Die Leser sollen mit grausigen Bildern und fanatischen Texten so aufgeputscht werden, dass jede Hemmung schwindet, sich in den Dschihad zu begeben oder auch daheim zu töten. Zum Beispiel in der Bundesrepublik. Deutschland wird in Nummer 7 zweimal erwähnt.

Die Sicherheitsbehörden überlegen, was sie gegen "Dabiq" tun können. "Löschen bringt wenig", sagt ein Experte. "Das taucht woanders wieder auf." Effektiver wäre Gegenpropaganda, wie sie die französische Regierung nach den Anschlägen in Paris initiiert hat. Seit Ende Januar klärt eine Website über die Gefahr des Dschihadismus auf. Und ein Video konfrontiert Lockparolen der Terroristen mit Schockbildern von Kindern und Müttern, die vor dem IS fliehen mussten.

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