Politik : Prost auf die Spenden

Markus Feldenkirchen

Foto: Rückeis / Montage: DP

HINTER DEN LINDEN

Wenn dieser Tage über Flaschen gesprochen wird, kommt einem irgendwie die FDP in den Sinn. Das war früher anders. Ist also wahrscheinlich kein Zufall. Früher, da dachte man beim Wort Flasche an Trapattoni oder so, aber nicht an die FDP. Dass dies nun anders ist, liegt nicht allein an Jürgen Blum, dem Winzer aus Köndringen im Schwarzwald. FDP-Mitglied Blum hatte sich auch berauschen lassen von den hochprozentigen Ausdünstungen der Liberalen in diesem Wahljahr, hatte einen seiner Weine einfach umgetauft in „Wein 18“, einen weißen Burgunder, Malderdinger Bienberg, beste Lage, abgefüllt in blauen Flaschen, gelber Korken drauf. Schön. Auch der Slogan, mit dem Winzer und FDP für den Wein warben, war gut. „Der edle Tropfen hat eine duftige Blume, ist frisch und frech wie die FDP, spritzig wie unsere Spendenkampagne, aussagekräftig wie unser Wahlprogramm...“ Wir kürzen das mal ab, wollen aber festhalten, dass im Wein wohl wirklich was Wahres liegt. Der Satz „spritzig, wie unsere Spendenkampagne“ liest sich nach der Aufdeckung von Möllemanns Schwarzgeldaffäre zur Finanzierung des liberalen Antisemitismus geradezu visionär. Der gute Winzer Blum ist die 1300 Flaschen jedenfalls gerade noch vor der Beerdigung der Strategie 18 losgeworden. „Gott sei Dank“, schwäbelt Blum, „heute will die doch keiner mehr haben.“

Nachweinlese: Eine Zeitung hat herausgefunden, dass der herzkranke Möllemann auf seinem Flug von Cran Canaria nach Münster unter anderem zwei Gläser Wein getrunken hat. Winzer Blum verspricht seinen Kunden auf seiner Speisekarte: „Weintrinker leben länger, denn sie erkranken u. a. seltener an Herz-Kreislauf-Erkrankungen. (…) Mit anderen Worten: Abstinenzler sterben früher als Weintrinker.“ Einige Parteifreunde sollen Möllemann in den vergangenen Wochen geraten haben, mit dem Weintrinken aufzuhören. So weit sind sie jetzt bei den Liberalen schon. Prost!

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