Protest-Bewegung : Offenbar drei Demonstranten in Iran getötet

Nach Angaben der Opposition sind bei Auseinandersetzung mit Sicherheitskräften in Teheran drei Demonstranten ums Leben gekommen. Augenzeugen berichten von Schüssen.

Iran
Geben nicht auf. Demonstranten in Iran. -Foto: AFP

Erstmals seit den Protesten im Juni hat es bei Auseinandersetzungen zwischen Gegnern von Präsident Mahmud Ahmadineschad und der Polizei Tote gegeben. Das wurde am Abend im staatlichen iranischen Fernsehen bestätigt. Nach Angaben der Opposition sind im Zentrum Teherans vier Demonstranten getötet worden. Zahlreiche weitere Menschen seien verletzt worden, nachdem die Polizei das Feuer auf Anhänger der Reformbewegung eröffnet hatte, berichtete die regierungskritische Internetseite Jaras.

Die Oppositionellen demonstrierten anlässlich des schiitischen Aschura-Festes an verschiedenen Orten innerhalb und außerhalb Teherans. "Auch vom Enkelab-Platz sind Schüsse zu hören. Die Demonstranten rufen 'Tod dem Diktator'", hieß es auf der Website weiter. Zudem würden auch aus anderen iranischen Städten wie Isfahan und Nadschafabad Zusammenstöße zwischen Polizisten und Demonstranten gemeldet. Laut Jaras gab es auch in Tabris im Nordwesten des Landes Tote. Dort seien ebenfalls vier Demonstranten ums Leben gekommen.

Die Polizei setzte in Teheran erneut Tränengas gegen Anhänger der Reformbewegung ein. Dabei hätten die Demonstranten das Motorrad eines Polizisten in Brand gesteckt. Die Angaben der regierungskritischen Internetseite konnten nicht von unabhängiger Seite überprüft werden, weil die iranischen Behörden ausländischen Journalisten die Berichterstattung über Kundgebungen verboten haben.

Aus Kreisen der Regimegegner verlautete, unter den Teheraner Toten sei der 20-jährige Ali Mussawi, ein Neffe von Oppositionsführer Mir Hussein Mussawi. Eine unabhängige Bestätigung für diese Angaben gab es bisher nicht.

Zunächst hatten die Polizeibehörden bestritten, dass es überhaupt Tote gegeben habe. Ein Sprecher sagte der Nachrichtenagentur Fars, die Behörden hätten bis zum späten Nachmittag keine Informationen über mögliche Todesopfer erhalten. Dagegen gebe es Berichte über zahlreiche verletzte Polizisten. Doch Oppositionelle verteilten bereits Fotos, auf denen Leichname und Schwerverletzte zu sehen waren.

Protestaufruf per SMS

Trotz eines Verbots hatte die Reformbewegung ihre Anhänger am Samstag per SMS aufgerufen, am Sonntag auf die Straße zu gehen und dem verstorbenen Großajatollah Hossein Ali Montaseri zu gedenken. Die Spannungen zwischen Opposition und Regierung hatten sich seit dem Tod des 87-jährigen Montaseri am vergangenen Wochenende wieder verschärft. Der Geistliche war eine Art Mentor der Reformbewegung und galt als einer der schärfsten Kritiker Ahmadineschads.

Zu größeren Protesten war es schon am Samstagnachmittag gekommen. Hunderte Anhänger der grünen Bewegung von Oppositionsführer Mir Hussein Mussawi waren auf die Straße gegangen. Die Polizei habe Tränengas eingesetzt und in die Luft geschossen, um die Kundgebungen aufzulösen. Auch eine Rede des regimekritischen Ex-Präsidenten Mohammed Chatami war von Anhängern Ahmadineschads verhindert worden. Die Proteste in Iran richten sich vor allem gegen die umstrittene Wiederwahl von Ahmadineschad im Juni.

Quelle: ZEIT ONLINE, dpa, Reuters

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