Protest gegen Regierungschef : Rund 200 Verletzte bei Unruhen in Thailand

Die Amtszeit des umstrittenen thailändischen Ministerpräsidenten Somchai Wongsawat beginnt mit einem Eklat. Tausende Protestler belagerten während seiner Antrittsrede das Parlament; Somchai musste mit einem Hubschrauber in Sicherheit gebracht werden.

Bangkok
Demonstranten und Polizei liefern sich Straßenschlachten; die Sicherheitskräfte setzen Tränengas ein. -Foto: dpa

BangkokDie Antrittsrede des neuen thailändischen Ministerpräsidenten Somchai Wongsawat ist von blutigen Protesten überschattet worden. Im Anschluss an gewaltsame Zusammenstöße zwischen Polizei und Anhängern des Oppositionsbündnisses Volksallianz für Demokratie (PAD) blockierten nach Polizeiangaben rund 8000 Demonstranten das Parlament. Bei den Protesten wurden mindestens 190 Demonstranten verletzt. Darunter waren auch zwei Polizisten, die angeschossen wurden. Eine Frau wurde durch die Explosion einer Autobombe getötet. Somchai musste mit einem Hubschrauber aus dem umzingelten Parlament ausgeflogen werden.

Die Demonstranten waren vom Regierungssitz in Bangkok, wo sie seit Ende August kampieren, zum Parlament gezogen, um die Antrittsrede des Mitte September zum Regierungschef gewählten Somchai zu verhindern. Mit dem Einsatz von Tränengas verschafften Sicherheitskräfte den Parlamentariern Zugang zu dem Gebäude. Bei den Auseinandersetzungen zwischen Oppositionellen und Polizei wurden nach Krankenhausangaben mindestens 190 Menschen verletzt, 21 davon schwer. Einem verletzten Mann musste ein Fuß amputiert werden. Eine Frau kam nach Polizeiangaben bei der Explosion einer Autobombe nahe dem Parlament ums Leben. Es ist aber noch unklar, ob der Vorfall mit den Protesten im Zusammenhang steht.

Somchai mit Helikopter ausgeflogen

Nach Beginn der Parlamentssitzung gelang es tausenden Regierungsgegnern, das Gebäude zu blockieren und hunderte Abgeordnete und Senatoren darin einzuschließen. Somchai und fünf seiner Mitarbeiter mussten über einen Zaun in ein benachbartes Gebäude klettern, um dort von einem Hubschrauber der Polizei aufgenommen und in das Hauptquartier der Armee geflogen zu werden.

Die Sondersitzung war zuvor wegen der Belagerung vorzeitig abgebrochen worden. In seiner Rede kündigte Somchai an, seine Regierung wolle sich für die Versöhnung des Landes einsetzen. Seinen Rücktritt oder die Verhängung des Ausnahmezustands lehnte er später ab. Somchai ist ein Schwager des 2006 gestürzten Regierungschefs Thaksin Shinawatra. Die PAD hält Somchai sowie dessen Vorgänger Samak Sundaravej für "Marionetten" von Thaksin, den sie für die grassierende Korruption verantwortlich macht. Der Milliardär Thaksin muss sich wegen Korruption vor Gericht verantworten. Er hat sich mit seiner Frau ins britische Exil abgesetzt.

Stellvertretender Premier räumt seinen Stuhl

Vize-Regierungschef Chavalit Yongchaiyudh reichte wegen des brutalen Vorgehens der Polizei seinen Rücktritt ein. Das Verhalten der Sicherheitskräfte stimme nicht mit dem überein, was er "versprochen" habe, erklärte Chavalit. Der Vize-Regierungschef ist einer von fünf Stellvertretern. Er war mit den Verhandlungen mit den seit Wochen gegen die Regierung protestierenden Demonstranten beauftragt. Er habe Verletzte verhindern wollen und trete deswegen mit sofortiger Wirkung von seinem Posten zurück, erklärte Chavalit.

Die regierende Partei der Volksmacht (PPP) gilt als Sammelbecken der Anhänger Thaksins, der das Land von 2001 bis 2006 regierte. In der PAD haben sich Royalisten, Gewerkschafter, Geschäftsleute und Vertreter traditioneller Eliten aus Bangkok zusammengeschlossen. Sie halten das demokratische System für korruptionsanfällig und fordern deshalb ein Parlament, in dem 30 Prozent der Abgeordneten gewählt sind und die restlichen 70 Prozent ernannt werden. (jvo/AFP)

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