Protest in Italien : Femen-Aktivistinnen gehen auf Berlusconi los

Als Silvio Berlusconi bei der Parlamentswahl in Italien seine Stimme abgeben wollte, stürzten drei Frauen mit entblößten Brüsten auf ihn zu. Sie waren offenbar Aktivistinnen der Gruppe Femen. Doch die italienischen Polizisten handelten schnell.

Eine Femen-Aktivistin wird von italienischen Polizisten zu Boden gedrückt.
Eine Femen-Aktivistin wird von italienischen Polizisten zu Boden gedrückt.Foto: Reuters

Drei barbusige Frauen sind am Sonntag auf den früheren italienischen Ministerpräsidenten Silvio Berlusconi zugestürzt, als dieser in Mailand seine Stimme bei der Parlamentswahl abgeben wollte. In einem chaotischen Durcheinander mit weinenden Kindern und Schreien des Protests gegen den Ex-Regierungschef vergingen nur wenige Sekunden, bis die drei Frauen von Polizisten mit Jacken bedeckt und in Handschellen abgeführt wurden. Auf dem Rücken trugen die drei Frauen den Slogan „Basta Berlusconi“ (Genug von Berlusconi).


Die in der Ukraine gegründete feministische Gruppe Femen, die seit 2010 in mehreren Ländern ähnliche Attacken startete, bekannte sich zu dem Vorfall in Mailand. Italien dürfe nicht für „jemanden stimmen, der ins Gefängnis gehört“, erklärte die Gruppe. Berlusconi sei ein „Idiot“. Die drei Frauen standen in einer wartenden Menge vor dem Wahllokal in Mailand, vor dem sich auch zahlreiche Journalisten versammelt hatten. Dann brachen sie durch die Reihen und sprangen über mehrere Tische, um Berlusconi zu erreichen, was ihnen jedoch nicht gelang.

Sehen Sie hier das Video zu den Berliner Femen-Aktivistinnen:

Berlusconi polarisiert die italienischen Wähler seit Jahren, unter anderem auch durch seine Liebschaften mit jungen Frauen, flapsige sexistische Sprüche und durch ausschweifende Partys.

In den letzten Umfragen lagen die Sozialdemokraten von Pier Luigi Bersani knapp vor dem Mitte-Rechts-Bündnis des früheren Regierungschefs Berlusconi. Der scheidende Ministerpräsident Mario Monti, der Italien nach Berlusconis Abgang im November 2011 mit einem Expertenkabinett regiert hatte, gab am frühen Morgen in Mailand mit ernster Miene seine Stimme ab. Der Spitzenkandidat der Demokratischen Partei (PD), Bersani, wählte im norditalienischen Piacenza und schaute nicht minder ernst in die Kameras der Journalisten. Lediglich Berlusconi, der in Mailand wählte, posierte lächelnd an der Wahlurne. (AFP)

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