Politik : Protest mit Potenzial

Warum eine Möllemann-Partei für die FDP gefährlich wäre

Dagmar Rosenfeld

Kompliziert, aber nicht unmöglich – so bewertet der Parteienforscher Franz Walter die Ankündigung Jürgen W. Möllemanns, im Falle eines Rausschmisses aus der FDP womöglich eine eigene Partei zu gründen. „Wenn Möllemann das wahr macht, dann hat nicht nur die FDP ein Problem, sondern auch die SPD“, sagte Walter dem Tagesspiegel.

Denn Potenzial für eine Protestpartei der Mitte und der kleinen Leute im Möllemannschen Stil gebe es genug in Deutschland – auch wenn populistische Parteien in Europa derzeit mächtig Wähler verlieren. Hier zu Lande habe es eine solche Partei noch nicht gegeben. „ Dabei liegt das Wählerpotenzial zwischen zehn und 20 Prozent“, schätzt er. Wichtigste Voraussetzung für den Erfolg einer Möllemann-Partei sei ein militant populistisches Auftreten. „Kampagnenorientiert, wenig moderat und den Protest in den Mittelpunkt stellen“, das könnte eine Erfolgsformel sein.

Möllemann wolle es allen nochmal zeigen, und das sei nicht die schlechteste Voraussetzung für die Gründung einer neuen Partei. Allerdings ziehe eine Rambogestalt wie er die Verrückten und Neurotischen an. „Diese destruktiven Kräfte sind für eine neue Partei gefährlich.“ Gefährlich werde es auch für die FDP, wenn Möllemann seine Drohung wahr mache. Denn weder Charakter noch Zukunftsvorstellung der Liberalen seien derzeit erkennbar. Westerwelles Versuch, die Partei neu aufzustellen sei missglückt. Deshalb könne eine neue Partei eine ernsthafte Konkurrenz sein. Der Parteienforscher Peter Lösche hingegen gibt einer Möllemann-Partei keine Chance: „Das ist nicht der erste Versuch aus den Reihen der FDP, eine rechtspopulistische Partei zu gründen.“ Ob Manfred Brunner in Bayern oder Alexander von Stahl in Berlin – solche Versuche seien immer gescheitert. Das rechtspopulistische Wählersegment habe bisher noch keine Partei realisieren können. „Möllemann ist kein Haider“, sagte Lösche. Nach all seinen politischen Windungen der vergangenen Monate sei er nicht mehr glaubwürdig.

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