Politik : Protestanten wachsen zusammen

Fusion von Landeskirchen: Am Wochenende wurden die Weichen für eine mitteldeutsche und eine norddeutsche Kirche gestellt

Claudia Keller

Berlin - Dieses Wochenende bringt gleich zwei gute Botschaften für die evangelische Kirche. Am Freitagabend stimmte die Synode der Kirchenprovinz Sachsen für die Fusion mit der thüringischen Landeskirche. Ab 2009 soll es eine „Evangelische Kirche in Mitteldeutschland“ mit 935 000 Mitgliedern geben.

Gestern entschied die Synode der mecklenburgischen Landeskirche für den Zusammenschluss mit den nordelbischen und pommerschen Glaubensbrüdern zu einer „Nordkirche“ mit 2,5 Millionen Mitgliedern.

Die Kirchenleitungen plädierten schon länger für die Fusionen. Aber es fehlte die Zustimmung der Synoden, der Kirchenparlamente. Am heutigen Sonntag werden vermutlich auch die pommerschen Kirchenparlamentarier ihr Ja-Wort zur Nordkirche geben, nächste Woche die nordelbischen Synodalen.

Dass man nicht alleine bleiben kann, ist den meisten kleineren Kirchen klar. Der Rückgang der Zahl der Kirchenmitglieder und der Kirchensteuereinnahmen zwingt zum Handeln in größeren Einheiten. Auch erschweren die Grenzen der Landeskirchen, die zum Teil auf die Zeit des Wiener Kongresses 1815 datieren und quer zu den Bundesländern verlaufen, Verhandlungen mit den Landesregierungen. So treffen in Rheinland-Pfalz gleich drei evangelische Landeskirchen aufeinander: die pfälzische, die rheinische und die hessen-nassauische.

Deshalb preschte die Evangelische Kirche in Deutschland (EKD) vergangenes Jahr mit dem spektakulären Plan vor, die jetzt 23 Landeskirchen sollten sich bis 2030 zu acht bis zwölf zusammenschließen, die jeweils mindestens eine Million Mitglieder haben sollten. Die Fusionen sind Teil der tiefgreifenden Reformpläne, die die EKD vorantreibt und die auch innerhalb der Landeskirchen Zentralisierungen, neue Schwerpunktsetzungen und eine Qualitätssteigerung der Angebote zum Ziel haben.

So sinnvoll die Fusionen der Landeskirchen sind, reibungslos laufen sie nirgendwo ab. Noch vor einem halben Jahr hatte sich die Mehrheit der sächsischen Synodalen gegen den Zusammenschluss mit den Thüringern entschieden. Und in der pommerschen Landeskirche gibt es nicht wenige, die sich lieber mit den Berlinern, Brandenburgern und Oberlausitzern zu einer Ostkirche vereinigen würden. Denn diese gehören wie die Pommern zur „unierten“ Kirche, die auf die preußischen Reformen von 1817 zurückgeht. Den „Unierten“ stehen die „Lutheraner“ und die „Reformierten“ gegenüber. Die für Außenstehende nicht immer zu durchschauenden innerevangelischen Abgrenzungen haben mit unterschiedlichen Gottesdienst- und Frömmigkeitsformen zu tun und dem Verhältnis von Gemeinden und Kirchenleitung. Für engagierte Protestanten spielen sie immer noch eine Rolle.

Aber auch in der evangelischen Kirche ist für viele heute der Wohnort wichtiger als kirchliche Traditionen. So polterte ein Mitglied der pommerschen Landeskirche: Nur passionierte Nichtschwimmer könnten auf die Idee kommen, sich in den märkischen Sand zu setzen. Nichtschwimmer seien an der Küste aber selten. Auch würden in der Nordkirche Ost- und Westdeutsche zusammenwachsen, was wichtiger sei als eine reine Ostkirche mit Berlin, Brandenburg und der Oberlausitz.

Bislang beschränkt sich die Bereitschaft zu fusionieren vor allem auf die östlichen Landeskirchen. Hier ist der finanzielle Druck weit größer als im Westen. Er sehe „noch keine Veranlassung zu allzu revolutionären Maßnahmen“, sagte der pfälzische Kirchenpräsident Eberhard Cherdron kürzlich. Durch die finanzielle Leistungskraft seiner Kirche könne er sich das leisten.

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