Politik : Protestanten wachsen zusammen

Claudia Keller

Berlin - Heute vor zwei Jahren präsentierte Bischof Wolfgang Huber seinen spektakulären Entwurf für eine „Kirche der Freiheit“. Eine zentrale Forderung, die der Ratsvorsitzende der Evangelischen Kirche Deutschlands (EKD) darin erhebt, ist die Fusion der bisher 23 Landeskirchen zu acht bis zwölf Kirchen.

Zunächst sah es nicht danach aus, als würden sich allzu viele Landesbischöfe Hubers Forderung zu Herzen nehmen. Wer schafft sich schon gerne selbst ab? Aber mittlerweile haben sich einige auf den Weg gemacht. Und seit gestern steht die erste Großfusion: Die Thüringer Landeskirche und die Kirchenprovinz Sachsen werden ab Januar 2009 die Evangelische Kirche Mitteldeutschland bilden mit dann 930 000 Christen. Am Samstag einigten sich die Kirchenparlamentarier beider Kirchen auf eine gemeinsame Verfassung.

Einfach war der Einigungsprozess nicht. 2007 scheiterte der erste Anlauf und bescherte den Bischöfen Huber, Axel Noack und Christoph Kähler eine bittere Niederlage. Entsprechend erleichtert waren die Bischöfe am Samstag. Bei der Abstimmung habe der ganze „Reformschwung“ innerhalb der evangelischen Kirche auf dem Spiel gestanden, sagte Hermann Barth, der Präsident des Kirchenamtes der EKD. Als nächster Schritt steht die Gründung einer „Nordkirche“ auf dem Plan. Die Kirchenparlamente der Landeskirchen in Mecklenburg-Vorpommern, Hamburg und Schleswig-Holstein haben der Fusion bereits zugestimmt, bis 2011 soll eine gemeinsame Verfassung erarbeitet werden. Die „Nordkirche“ wäre mit 2,4 Millionen Mitgliedern eine der größten evangelischen Landeskirchen.

Dass man nicht alleine bleiben kann, ist den meisten kleineren Kirchen klar. Der Rückgang der Zahl der Kirchenmitglieder und der Kirchensteuereinnahmen zwingt zum Wirtschaften in größeren Einheiten. Auch erschweren die Grenzen der Landeskirchen, die zum Teil auf die Zeit des Wiener Kongresses 1815 zurückgehen und nicht mit denen der Bundesländer übereinstimmen, Verhandlungen mit den Landesregierungen. Die Fusionen sind Teil der tiefgreifenden Reformpläne, die die EKD vorantreibt und die auch innerhalb der Landeskirchen Zentralisierungen, neue Schwerpunktsetzungen und eine bessere Qualität der Angebote zum Ziel haben. Claudia Keller

0 Kommentare

Neuester Kommentar