Proteste : Birma droht Blutbad - Bush fordert Sanktionen

Die Militärjunta in Birma hat damit gedroht, gegen die wachsende Protestbewegung unter der Führung buddhistischer Mönche mit Gewalt vorzugehen. In mehreren Städten des asiatischen Landes gingen heute bis zu 130.000 Menschen auf die Straße.

Widerstand gegen Militärjunta in Birma
Buddhistische Mönche demonstrieren vor der Shwedagon-Pagode in Rangun. -Foto: dpa

RangunLaut Berichten staatlicher Medien traf Religionsminister Thura Myint Maung mit religiösen Führern zusammen, um die Warnung der Militärs zu überbringen. Sollten die Mönche sich gegensätzlich zu  den Prinzipien der buddhistischen Lehre verhalten, werde im Rahmen  der Gesetze eingegriffen, sagte der Brigadegeneral. Experten befürchten ein Blutbad. US-Präsident Bush will unterdessen vor den Vereinten Nationen neue Sanktionen gegen die Militärregierung verkünden.

Friedliche Massenbewegung

In zwei Gruppen, die rund je zur Hälfte aus Mönchen und einfachen Bürgern bestanden, zogen die 130.000 Demonstranten durch Rangun. "Wir marschieren für das Volk", rief ein Mönch über ein Megafon. Ein anderer rief die Demonstranten auf, sich friedlich zu verhalten und keine politischen Stellungnahmen abzugeben. Auf einem Spruchband war zu lesen: "Dies ist eine friedliche Massenbewegung." Die Proteste endeten nach rund fünf Stunden ohne Zwischenfälle mit Gebeten an mehreren Pagoden. Auch in den Städten Mandalay, Pakokku und Sittwe gingen Tausende auf die Straße.

Durch die stark gestiegene Zahl der Demonstranten ist die Herrschaft der Militärs nach Ansicht des Birma-Experten des Instituts für Asienstudien in Hamburg, Marco Bünte, "akut gefährdet". "Jetzt muss eine Reaktion erfolgen", sagte Bünte noch vor dem Bekanntwerden der Drohung durch die Generäle der "Berliner Morgenpost". Dafür komme eigentlich nur Gewalt in Frage. Das Militär, das das Land seit 45 Jahren regiert, werde sich die Macht "nicht so einfach nehmen lassen".

Bush fordert neue Sanktionen

Die Eskalation in dem südostasiatischen Land, in dem die Proteste Mitte August nach einer Erhöhung der Treibstoffpreise begonnen hatten, beunruhigte auch die internationale Gemeinschaft. Zahlreiche Länder riefen die Militärregierung zur Zurückhaltung auf. "Die internationale Gemeinschaft wird die Junta für die Sicherheit der Demonstranten verantwortlich machen", sagte ein Sprecher des französischen Außenministeriums.

US-Präsident George W. Bush will unterdessen neue Sanktionen bei seiner Rede vor der UN-Vollversammlung am Dienstag verkünden, erklärte ein Sprecher des Weißen Hauses. Die Sanktionen richteten sich gegen die Mitglieder der Militärregierung Birmas.

Bundesregierung begrüßt Proteste

Das britische Außenamt warnte, ein gewaltsames Eingreifen werde die Situation deutlich verschlimmern. Premierminister Gordon Brown zeigte sich zuversichtlich, dass die "Ungerechtigkeit nicht ewig andauern" könne. Die Bundesregierung hat die friedlichen Proteste begrüßt. "Wir haben dafür Sympathie", erklärte der Sprecher des Auswärtigen Amtes, Martin Jäger. Er verwies darauf, dass Außenminister Frank-Walter Steinmeier (SPD) sich wiederholt für weitere Reformen in Birma einschließlich eines Dialogs mit den Reformkräften ausgesprochen habe.

Der Dalai Lama solidarisierte sich ebenfalls mit den Mönchen. Freiheitsliebende Menschen auf der ganzen Welt sollten derartige friedliche Bewegungen unterstützen, erklärte das geistliche Oberhaupt der Tibeter. Er rief die Militärregierung in Birma auf, in Übereinstimmung mit der buddhistischen Lehre zu handeln, die Mitgefühl und Gewaltfreiheit postuliere.

Die internationale Journalistenvereinigung "Reporter ohne Grenzen" forderte die Militärjunta auf, die zunehmende Gewalt gegen Journalisten und die Zensur der Medien einzustellen, die über die laufenden Proteste berichten. Seit dem Beginn der Proteste wurde keinem einzigen ausländischen Journalisten ein Einreisevisum erteilt. (mit dpa, AFP)

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