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Proteste gegen Anti-Islam-Film : Demonstranten setzen deutsche Botschaft im Sudan in Brand

Im Sudan haben Demonstranten im blutigen Protest gegen ein islamkritisches Schmähvideo die deutsche Botschaft gestürmt und in Brand gesetzt. Nun hat sich Außenminister Guido Westerwelle zu den Vorfällen geäußert. Auch in vielen anderen Ländern gab es Proteste und Ausschreitungen mit mindestens einem weiteren Todesopfer.

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Im Sudan haben die Demonstranten gegen das islamkritische Schmähvideo die deutsche Botschaft in Khartum gestürmt.Alle Bilder anzeigen
Foto: dapd
14.09.2012 17:27Im Sudan haben die Demonstranten gegen das islamkritische Schmähvideo die deutsche Botschaft in Khartum gestürmt.

Die muslimisch-arabische Welt ist nach Bekanntwerden eines anti-islamischen, in den USA produzierten Mohammed-Films weiterhin in Aufruhr. In mehr als einem Dutzend Ländern kam es nach den Freitagsgebeten zu gewalttätigen, teils blutigen Ausschreitungen. Ziel war erstmals auch eine deutsche Auslandsvertretung: In Sudans Hauptstadt Khartum stürmten hunderte wütende Demonstranten die Botschaft der Bundesrepublik und setzten sie teilweise in Brand. Zu Schaden kam aber offenbar niemand.

Laut einem Bericht des Fernsehsenders Al Dschasira rissen Demonstranten die auf dem Gebäude gehisste deutsche Flagge herunter und ersetzten diese durch eine schwarze Fahne mit islamischem Glaubensbekenntnis. Außerdem steckten sie ein Auto und Mülltonnen in Brand, bevor sie von der Polizei wieder vom Gelände vertrieben wurden und Richtung britische Botschaft weiterzogen.

Nach Angaben des US-Fernsehsenders CNN hatte ein Prediger der Zentralmoschee in Khartum zu Protesten vor der amerikanischen und der deutschen Botschaft aufgerufen. Dies sei auch damit begründet worden, dass eine „Berliner Organisation“ die Mohammed-Karikaturen aus der dänischen Zeitung „JyllandsPosten“ weiterverbreitet habe. Im August hatten Mitglieder der islamfeindlichen Partei Pro Deutschland vor Berliner Moscheen die Mohammed-Karikaturen gezeigt. Zudem habe der Prediger erklärt, muslimische Organisationen hätten sich über mangelnde Hilfe der deutschen Regierung beklagt. Beobachter halten es daher für möglich, dass die Attacke geplant und nicht spontan war. Sicherheitsexperten hatten angesichts der Krawalle vorsorglich Deutschlands diplomatische Vertretungen in „gefährdeten Regionen“ gewarnt.

Ein Video zum Angriff auf die deutsche Botschaft im Sudan:

Bundesaußenminister Guido Westerwelle (FDP) bestätigte den Angriff auf die diplomatische Vertretung: „Der sudanesische Botschafter wurde heute Morgen einbestellt und unmissverständlich auf die Pflicht seiner Regierung zum Schutz diplomatischer Einrichtungen hingewiesen.“ Die Botschaftsmitarbeiter befänden sich derzeit in Sicherheit. Nach Angaben des Auswärtigen Amts hielt sich Botschafter Rolf Welberts zum Zeitpunkt der Angriffe nicht auf dem Gelände auf. Freitags sei die Vertretung ohnehin geschlossen. Westerwelle sagte, er verstehe zwar die Empörung über das „Hassvideo“. Der Film sei aber „keine Rechtfertigung für Gewalt“. Ähnlich äußerte sich Bundeskanzlerin Angela Merkel. „Religiöser Fanatismus darf nicht die Oberhand gewinnen“, sagte sie.

In Bildern: Deutsche Botschaft in Brand gesteckt:

Demonstranten stürmen Botschaft in Khartum
Im Sudan haben die Demonstranten gegen das islamkritische Schmähvideo die deutsche Botschaft in Khartum gestürmt.Alle Bilder anzeigen
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14.09.2012 17:27Im Sudan haben die Demonstranten gegen das islamkritische Schmähvideo die deutsche Botschaft in Khartum gestürmt.

Westerwelle lobte die Bedeutung des Internets für die Revolution in arabischen Ländern. „Es gibt aber auch einen Fluch des Internets - nämlich, dass auch die verrücktesten und fanatisch verblendetsten Menschen ihr dümmstes Zeug ins Internet stellen können und dabei leider auch die Gefühle von vielen Menschen verletzen.“ Manche Menschen in der arabischen Welt wüssten nicht, dass dies nicht repräsentativ für die Einstellung im Westen sei. „Sie glauben, dass das in irgendeiner Form regierungsamtlich gebilligt wird.“

Bilder: Ausschreitungen vor US-Vertretungen in islamischen Ländern

Muslime protestieren gegen Schmähfilm
Junge Männer liefern sich Straßenschlachten mit der pakistanischen Polizei. Die erwarteten Proteste nach dem Freitagsgebet sind in vielen Ländern friedlich verlaufen. In Pakistan aber kamen mindestens zwei Menschen bei Ausschreitungen ums Leben.Weitere Bilder anzeigen
1 von 98Foto: AFP
21.09.2012 14:25Junge Männer liefern sich Straßenschlachten mit der pakistanischen Polizei. Die erwarteten Proteste nach dem Freitagsgebet sind in...

Deutschland hatte zuvor aus Angst vor gewalttätigen Protesten gegen das Schmähvideo über den Propheten Mohammed die Sicherheitsvorkehrungen an diplomatischen Vertretungen in mehreren islamischen Ländern verschärft. „Wir Deutsche machen uns natürlich auch Sorgen um unsere eigenen diplomatischen Vertretungen in den betroffenen Ländern“, sagte Außenminister Guido Westerwelle (FDP) am Freitag im ARD-„Morgenmagazin“. Sicherheitsvorkehrungen seien bereits getroffen worden.

Ein Sprecher des Auswärtigen Amtes sagte: „Wir beobachten die Entwicklung der Sicherheitslage mit größter Aufmerksamkeit und haben unsere Sicherheitsvorkehrungen an einigen Auslandsvertretungen verschärft.“ Nach den Freitagsgebeten wurde allgemein erwartet, dass die bisherigen gewalttätigen Übergriffe zunehmen.

Alle Ereignisse vom Freitag können Sie hier zusammengefasst im Tickerformat nachlesen.

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