• Proteste in der Türkei: Türkische Gemeinde fordert Aussetzung von EU-Beitrittsverhandlungen

Proteste in der Türkei : Türkische Gemeinde fordert Aussetzung von EU-Beitrittsverhandlungen

Der Vorsitzende der Türkischen Gemeinde in Deutschland, Kenan Kolat, fordert, die EU-Beitrittsverhandlungen mit der Türkei auszusetzen. Angesichts der Gewalt durch Polizisten in der Türkei müsse die türkische Regierung "ein Zeichen bekommen".

Angesichts der Gewalt gegen Demonstranten in der Türkei hat der Vorsitzende der Türkischen Gemeinde in Deutschland, Kenan Kolat, die Aussetzung der EU-Beitrittsverhandlungen gefordert. Solange die türkische Regierung sich mit den Protesten in Istanbul und anderen Städten nicht auseinandersetze „und diese Form der Gewalt weiterführt“, sollte die Europäische Union „zunächst abwarten mit der Eröffnung von weiteren Kapiteln“ in den Beitrittsverhandlungen, sagte Kolat am Dienstag im Deutschlandfunk. Es sei „wichtig, dass die Regierung hier noch mal ein Zeichen bekommt“.

Ein Staat müsse selbstverständlich gegen „Gewalttäter“ vorgehen, sagte Kolat weiter. In der Türkei gehe es aber derzeit um Polizeigewalt gegen die Bevölkerung. „Das muss jetzt geklärt werden, und da sollte mit den Verhandlungen solange abgewartet werden“, sagte er an die Adresse von EU und Bundesregierung.

Der Vorsitzende der türkischen Gemeinde in Deutschland, Kenan Kolat.
Der Vorsitzende der türkischen Gemeinde in Deutschland, Kenan Kolat.Foto: dpa

Die Türkei führt bereits seit Oktober 2005 Beitrittsgespräche mit der EU. Die Verhandlungen kommen jedoch kaum voran. Von den insgesamt 35 Verhandlungskapiteln wurde bislang allein das Kapitel Wissenschaft und Forschung vorläufig abgeschlossen. Nach bisheriger Planung sollte noch im Juni das Kapitel 22 zur Regionalpolitik eröffnet werden.

Die Türkei wird seit mehr als zwei Wochen von Protesten erschüttert. Auslöser waren Pläne zur Bebauung eines Parks in Istanbul. Inzwischen richtet sich der Protest allgemein gegen Ministerpräsident Recep Tayyip Erdogan. Laut Ärztevereinigungen wurden bei den Ausschreitungen vier Menschen getötet und fast 7500 verletzt. (AFP)

Proteste in der Türkei
Die Proteste um den Gezi-Park in Istanbul jähren sich am 28. Mai 2014 zum ersten Mal. Sehen Sie hier Eindrücke aus der Anfangszeit der monatelangen Proteste und den gewaltsamen Reaktionen der Polizei. 22. Juni 2014: Am Samstagabend haben die Demonstranten auf dem Taksim-Patz die Sicherheitskräfte in Kampfmontur mit roten Nelken beworfen. Die Polizei antwortete mit Wasserwerfern.Weitere Bilder anzeigen
1 von 67Foto: Reuters
22.06.2013 21:21Die Proteste um den Gezi-Park in Istanbul jähren sich am 28. Mai 2014 zum ersten Mal. Sehen Sie hier Eindrücke aus der Anfangszeit...

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