Proteste in Ungarn : Gyurcsany warnt Demonstranten

Nach zwei Nächten des Protests haben Ungarns Ministerpräsident Ferenc Gyurcsany und Präsident Laszlo Solyom gemeinsam vor weiteren Massenkundgebungen gewarnt. Die Opposition plant weitere Demonstrationen.

Budapest - Die Organisatoren der Proteste sollten sich der Stärke der Polizei bewusst sein und sich vergewissern, dass kein Teilnehmer die Grenzen der Legalität überschreite, teilten der Sozialist Gyurcsany und der parteilose Solyom in einer schriftlichen Erklärung mit. Das Recht auf friedliches Demonstrieren und die Meinungsfreiheit bleibe unberührt, versicherten sie.

Die konservative Opposition plant für Samstag in Budapest eine große Kundgebung. Oppositionschef Viktor Orban sagte, die Versammlung am Samstag würde trotz der Gefahr von Ausschreitungen abgehalten. Die Opposition erwartet einige hunderttausend Teilnehmer. Am Dienstagabend hatten rund 10.000 Demonstranten zunächst friedlich für den Rücktritt Gyurcsanys demonstriert. Später kam es zu Ausschreitungen, bei denen 57 Menschen verletzt und 98 festgenommen wurden. Der Regierungschef sprach am nächsten Tag von "Randalierern", mit denen er "überhaupt keine Geduld" habe.

Hooligans und Rechte mischen mit

Die meisten davon stammen laut Vize-Polizeichef Arpad Szabadfi aus der ungarischen Hooligan-Szene. Die gewaltbereiten Fußballfans der beiden Budapester Vereine Ferencvaros und Ujpest sind wegen ihrer Fahnen und Schals am leichtesten zu identifizieren. Daneben hat die Polizei auch Mitglieder der rechtspopulistischen Parteien Jobbik und MIEP unter den Demonstranten ausgemacht. So ist der MIEP-Chef und Dramatiker Istvan Csurka, Verfechter eines offenen Anti-Semitismus, jeden Tag vor dem Parlament zu sehen. Auch György Ekrem Kemal, Chef der rechtsextremistischen Nationalen Freiheitspartei, ist dabei.

Der Soziologe Miklos Tamas Gaspar sieht die Demonstranten als heterogene Gruppe: friedliche Kundgebungsteilnehmer, Anhänger der Oppositionspartei Fidesz, Schaulustige, Hooligans und Rechtsextreme. Nach Untersuchungen der Polizei, die in der Zeitung "Magyar Hirlap" veröffentlicht wurden, hat sich eine Gruppe von etwa hundert Menschen an die Spitze der Demonstrationsbewegung gesetzt. Den harten Kern bilden etwa dreißig von ihnen. Der Rest demonstriert friedlich für einen Rücktritt von Gyurcsany, nachdem dieser eingestanden hatte, im Wahlkampf gelogen zu haben. (tso/AFP)

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