Politik : Proteste vor Papstbesuch in der Türkei

Susanne Güsten

Istanbul - Die Proteste haben begonnen, dabei ist der Papst noch nicht einmal da. Rund 100 Mitglieder einer rechtsnationalistischen Gruppe in der Türkei versammelten sich im historischen Bauwerk der Hagia Sophia mitten in der Istanbuler Altstadt – und protestierten gegen Benedikt XVI. Die Hagia Sophia, die zuerst byzantinische Basilika und dann Reichsmoschee der Osmanen war, ist heute zwar ein Museum. Doch die Tatsache, dass Benedikt XVI. den imposanten Bau nächste Woche besuchen will, weckt bei Islamisten und Nationalisten den Verdacht, dass der Papst einen christlichen Generalangriff auf den Islam im Schilde führt. Wenige Tage vor dem mit Spannung erwarteten Besuch des Papstes in der Türkei formiert sich am Bosporus eine unheilige Allianz der Radikalen.

Nationalisten und radikale Islamisten sehen Benedikt als einen besonders aggressiven Vertreter des christlichen Westens, als Feind der Moslems und als Gegner der Türkei. Einige begreifen den Papstbesuch zudem als willkommene Gelegenheit, der türkischen EU-Bewerbung durch telegene Protestaktionen zu schaden. Auch deshalb werden die Sicherheitsvorkehrungen für den Papst in Istanbul so streng sein wie zuletzt beim Nato-Gipfel vor zwei Jahren, als Anschläge auf US-Präsident George Bush befürchtet wurden. Mehr als 10 000 Polizisten werden im Einsatz sein.

Die Türkei-Reise des Papstes vom 28. November bis 1. Dezember ist die schwierigste seines bisherigen Pontifikats. Als Versöhnungsgeste wird derzeit geprüft, ob Benedikt XVI., anders als bisher geplant, erstmals auch eine Moschee besuchen wird. Eine Besichtigung der Blauen Moschee in Istanbul sei vom Vatikan wie auch von der Türkei erwünscht, sagte Vatikan-Sprecher Federico Lombardi am Samstag.

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