Proteste : Zahl der iranischen Demonstranten sinkt

Die Gewalt gegen Demonstranten scheint Wirkung zu zeigen: Am Abend versammelten sich nur etwa 200 Menschen vor dem Parlamentsgebäude in Irans Hauptstadt Teheran

Die Menschen protestieren nach wie vor dagegen, dass Amtsinhaber Mahmud Ahmadineschad zum Sieger der Präsidentenwahl vom 12. Juni erklärt worden war. Augenzeugen zufolge gab es zunächst keine Auseinandersetzungen zwischen den Sicherheitskräften und den Demonstranten.

Repressalien fanden jedoch auch heute gegen Medien und Reporter statt. So wurden 25 Journalisten einer Oppositionszeitung festgenommen. Die Polizei sei in die Redaktion eingedrungen und habe die Reporter festgenommen. Sie arbeiteten auch für die Internetseiten für den unterlegenen Präsidentschaftskandidaten Mir Hossein Mussawis. Laut staatlicher Nachrichtenagentur Irna begründete die Polizei die Aktion mit einem "Psycho-Krieg", den die Reporter gegen das ganze Land geführt hätten.

Mussawis Ehefrau Sahra Rahnaward forderte die Regierung dazu auf, die Gewalt in Teheran zu beenden. "Sie sollten nicht handeln, als gelte Kriegsrecht auf den Straßen Teherans", schrieb Rahnaward auf Mussawis Internetseite. Wegen des massiven Einsatzes der Sicherheitskräfte beschwerten sich viele Bürger über eine Atmosphäre von Gewalt und Einschüchterung. Friedensnobelpreisträgerin Shirin Ebadi forderte die UN und das Europäische Parlament dazu auf,
Sondergesandte in den Iran zu schicken, um die Gewalt zu stoppen.

Am Donnerstag wollte Etemad Melli von der Partei des ebenfalls unterlegenen Präsidentschaftskandidaten Mehdi Karrubi eine Trauerfeier für die Opfer der Demonstrationen vom vergangenen Samstag organisieren. Die Führung habe der Partei aber keinen geeigneten Ort zur Verfügung gestellt, hieß es aus dem Lager Karrubis.

Doch Mussawis Anhänger geben nicht  auf. An diesem Freitag wollen sie grüne und schwarze Luftballons in den Himmel steigen lassen. Die Grünen als Zeichen der Hoffnung auf Wandel, die Schwarzen zur Erinnerung an die erschossene
Demonstrantin Neda Agha-Soltan. Die staatliche Nachrichtenagentur Fars berichtete unter Berufung auf die Polizei, dass Neda bei einer Kundgebung erschossen wurde. Die Polizei gehe davon aus, dass die Waffe aus dem Ausland eingeschmuggelt worden sei.

Unterdessen gab Irans Außenminister Manuchehr Mottaki bekannt, dass er nicht an dem Treffen der G-8-Außenminister
in Italien teilnehmen werde. Iran hatte im Zuge der Unruhen nach der Wahl mehreren Länder, vor allem aber Großbritannien, Einmischung in innere Angelegenheiten vorgeworfen.

Seit Tagen hat der Iran die Berichterstattung ausländischer Medien massiv eingeschränkt. Bislang hätten die Behörden einen ausländischen Journalisten in Gewahrsam genommen, sagte Geheimdienstminister Gholamhossein Mohseni-Edschei. (sp/dpa/Reuters)

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