Politik : Prozess gegen Franzosen im Tschad beginnt

N’Djamena/Paris - Im Tschad hat der Prozess gegen sechs Mitarbeiter der französischen Hilfsorganisation Arche de Zoé begonnen, denen die versuchte Entführung von 103 Kindern vorgeworfen wird. Das Verfahren wurde vor dem Strafgericht in der Hauptstadt N’Djamena eröffnet. Zusammen mit vier Mitangeklagten aus dem Tschad und dem Sudan drohen ihnen fünf bis zwanzig Jahre Zwangsarbeit. Die Angeklagten waren Ende Oktober festgenommen worden. Sie wollten Kinder nach Frankreich ausfliegen und an Pflegeeltern übergeben. Es handelte sich aber weder um Waisen, noch kamen sie aus der westsudanesischen Krisenprovinz Darfur, sondern um Kinder aus dem Tschad.

Der Chef und Gründer von Arche de Zoé, Eric Breteau, wies vor Gericht den Vorwurf der Kindesentführung zurück. Niemand habe der Organisation gesagt, dass die Kinder nicht aus dem Sudan stammten, sagte der 37-Jährige. Arche de Zoé habe die Kinder „vor dem Tod retten“ wollen. Die Auswahl habe er örtlichen Vermittlern überlassen. Breteau bekräftigte, dass die französischen Behörden informiert waren. Schriftlich sei das gegenüber dem Pariser Präsidialamt, dem Innen-, Justiz- und Außenministerium geschehen. Auf die Frage, warum er nicht auch die Behörden im Tschad informiert habe, blieb Breteau die Antwort schuldig. Das französische Außenministerium bestreitet, informiert worden zu sein.

Die Anwälte der vier Männer und zwei Frauen aus Frankreich im Alter von 30 bis 56 Jahren machten geltend, dass mehrere Zeugen nicht gehört worden seien. Doch ein Antrag, den Prozess wegen Verfahrensfehlern einzustellen, wurde vom Gericht umgehend abgelehnt. Die Affäre hatte zu Spannungen zwischen Frankreich und dem Tschad geführt. Im November war es zu gewaltsamen Protesten gegen Frankreich gekommen. AFP

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