Politik : Prozess gegen Londoner „Flüssigbomber“

London - Der Strafgerichtshof Woolwich Crown Court im Südwesten von London gleicht einer Festung. Der Verhandlungssaal gilt als bombensicher. Die acht Angeklagten, die sich wegen der mutmaßlich beabsichtigten schlimmsten Terroranschläge seit dem 11. September 2001 verantworten müssen, werden durch einen Tunnel direkt aus dem Gefängnis Belmarsh vorgeführt. Das Interesse an dem Prozess ergibt sich auch daraus, dass nahezu jeder Mensch, der heute eine Flugreise antritt, es diesen Angeklagten zu „verdanken“ haben soll, dass er weder Mineralwasser noch Zahnpasta im Handgepäck mitnehmen darf.

Die Welt hielt den Atem an, als am 10. August 2006 gemeldet wurde, was Polizei und Geheimdienste in Großbritannien nach eigenen Angaben um Haaresbreite verhindert hatten: Einen „Massenmord unvorstellbaren Ausmaßes“, wie Scotland-Yard-Vizechef Paul Stephens vor laufenden Kameras verkündete. Mithilfe von Komplizen sowie in Abstimmung mit Hintermännern in Pakistan sollen die Angeklagten den Plan gehabt haben, in London Heathrow Flüssigsprengstoff im Handgepäck an Bord amerikanischer Passagiermaschinen mit Zielen in den USA zu schmuggeln.

„Es wird weiterhin die Anschuldigung erhoben“, erklärte der Vorsitzende Richter Sir David Calvert-Smith (62), „dass diese Bomben gezündet werden sollten, wenn die Flugzeuge sich in der Luft befinden, so dass dadurch alle an Bord der Flugzeuge getötet worden wären.“ In Großbritannien fragt man sich nicht nur, wie die Flüssigbombenanschläge konkret ausgeführt werden sollten. Viele Menschen erwarten von Staatsanwalt Peter Wright auch zu hören, warum erneut junge, im Königreich aufgewachsene Muslime als Selbstmordattentäter zu Massenmördern werden wollten. Erst knapp ein Jahr vor den mutmaßlich geplanten Flugzeuganschlägen hatten im Juli 2005 vier junge britische Muslime mit in Rucksäcken versteckten Bomben in drei Londoner U-Bahnen und einem Bus mehr als 50 Menschen mit sich in den Tod gerissen. dpa

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