Politik : Prozess gegen Mladic fortgesetzt

Den Haag - Mit der Vernehmung des ersten Zeugen der Anklage ist der Kriegsverbrecherprozess gegen den serbischen General Ratko Mladic am Montag fortgesetzt worden. Dem 70-jährigen früheren Militärchef der bosnischen Serben im Bürgerkrieg (1992–1995) werden die schwersten Kriegsverbrechen in Europa seit 1945 zur Last gelegt – darunter das Massaker von Srebrenica und die Belagerung von Sarajevo. Er muss sich vor dem UN-Tribunal in Den Haag verantworten. Die Staatsanwaltschaft will mehr als 400 Belastungszeugen präsentieren. Mladic selbst betrachtet sich als unschuldig. Die Muslime wurden von den Kriegsverbrechen völlig überrascht. Muslime, Serben und Kroaten hätten bis 1992 harmonisch zusammengelebt, berichtete der erste Zeuge im Prozess gegen den serbischen General Ratko Mladic, Elvedin Pasic, am Montag in Den Haag. Als damals 14-Jähriger sei er gemeinsam mit Serben in die Schule gegangen, habe mit serbischen Freunden Sport getrieben und seine Urlaube verbracht. „Dann sind wir von unseren eigenen Nachbarn angegriffen worden“, schilderte der Zeuge. Sein Dorf Hrvacani nordwestlich von Sarajevo sei von serbischer Artillerie beschossen worden. „Alles wankte, und wir schützten unsere Köpfe aus Angst, ein Geschoss könnte uns treffen“, sagte er weiter. Immer wieder musste der heute erwachsene Mann eine Pause einlegen, weil ihm seine Stimme versagte. Der Prozess war am 17. Mai unmittelbar nach der Anklageverlesung wegen „Unregelmäßigkeiten“ ausgesetzt worden, nachdem die Verteidigung der Anklage die Zurückhaltung von Dokumenten vorgeworfen hatte. dpa/AFP

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