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Prozess gegen Präsident des FC Bayern : Staatsanwaltschaft: Uli Hoeneß hinterzog 27,2 Millionen Euro

Uli Hoeneß hat offenbar deutlich mehr Steuern hinterzogen als ursprünglich bekannt. Die Staatsanwaltschaft spricht inzwischen von 27,2 Millionen Euro. Das ursprünglich für Donnerstag geplante Urteil gegen den Bayern-Manager kommt vermutlich später.

Bayern-Manager Uli Hoeneß hat nach Angaben der Staatsanwaltschaft 27,2 Millionen Euro an Steuern hinterzogen.
Bayern-Manager Uli Hoeneß hat nach Angaben der Staatsanwaltschaft 27,2 Millionen Euro an Steuern hinterzogen.Foto: dpa

Die Steuerschuld von Uli Hoeneß liegt nach Angaben der Münchner Staatsanwaltschaft sogar bei 27,2 Millionen Euro. Zu den 23,7 Millionen Euro, die aus neuen Unterlagen von der Rosenheimer Steuerfahndung errechnet worden waren, kommen demnach noch die 3,5 Millionen Euro aus der ursprünglichen Anklage gegen den Bayern-Präsidenten hinzu. Am Montag hatte Hoeneß zunächst einen Betrag von 18,5 Millionen Euro eingeräumt.

Außerdem wurde inzwischen bekannt, dass Hoeneß bei der Einreichung von Unterlagen in seinem Steuerverfahren mehrmals Fristen verstreichen lassen hat. Die Aussagen der Steuerfahnderin hätten ergeben, dass "über einen sehr langen Zeitraum gar keine Unterlagen nach Erstattung der Selbstanzeige eingereicht wurden", berichtete Gerichtssprecherin Andrea Titz. Zudem habe die Zeugin dargestellt, dass "immer wieder neue Fristen" gesetzt wurden und dass diese "jeweils wieder verstrichen sind, ohne dass Unterlagen eingereicht wurden", erklärte Titz.

Die ersten neuen Dokumente nach Hoeneß' Selbstanzeige am 17. Januar 2013 seien am 27. Februar 2014 eingereicht worden. Diese Unterlagen seien "entgegen den ursprünglichen Bekundungen dann doch nicht vollständig" gewesen, berichtete Titz. Seine Bank habe die Dateien aber bereits am 18. Januar 2013 erstellt. Am 5. März, also fünf Tage vor Verhandlungsbeginn, seien dann "nochmals neue weitere Unterlagen nachgereicht" worden, erklärte die Gerichtssprecherin.

Das sind Deutschlands prominenteste Steuersünder
Alice Schwarzer: Die prominente deutsche Frauenrechtlerin soll jahrelang erhebliche Summen in der Schweiz deponiert und die dort angefallenen Zinsen nicht dem deutschen Fiskus zur Besteuerung angegeben hat. Die Feministin und "Emma"-Herausgeberin soll bereits im vergangenen Jahr Selbstanzeige erstattet haben.Weitere Bilder anzeigen
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05.02.2014 10:09Alice Schwarzer: Die prominente deutsche Frauenrechtlerin soll jahrelang erhebliche Summen in der Schweiz deponiert und die dort...

Hoeneß hatte am 17. Januar 2013 eine Selbstanzeige wegen Steuerhinterziehung abgegeben. Die Staatsanwaltschaft erkannte diese aber als unvollständig nicht an und klagte Hoeneß deshalb wegen Steuerhinterziehung an. Eine entscheidende Frage für die Gültigkeit der Selbstanzeige ist, ob Hoeneß darin umfassende Angaben gemacht hat.

USB-Stick erst zwei Wochen vor Prozess übergeben

Wie die Steuerberaterin schilderte, gab es nach der Selbstanzeige mehrere Gespräche und Treffen, bei denen Hoeneß über seine Steuerberater und Anwälte Angaben zur ursprünglichen Anzeige ergänzte oder das Nachreichen von Daten ankündigte - bis hin zu der Übergabe eines USB-Sticks mit den vollständigen Bankunterlagen erst zwei Wochen vor dem jetzigen Prozessbeginn.

Hoeneß plant am heutigen Abend einen Besuch des Champions-League-Spiels seines FC Bayern München. Das ließ der Präsident des deutschen Fußball-Rekordmeisters am Dienstag über seine Verteidigung mitteilen. Am Samstag hatte der 62-Jährige noch auf eine Reise mit dem Club zum Bundesliga-Auswärtsspiel beim VfL Wolfsburg verzichtet. Wenn seine Bayern im Königsklassen-Achtelfinale gegen den FC Arsenal nach dem 2:0 im Hinspiel in der heimischen Arena das Weiterkommen feiern wollen, möchte der Aufsichtsratschef auf jeden Fall dabei sein.

Das Verfahren wird wahrscheinlich länger dauern als geplant und nicht mehr mit einem Urteil an diesem Donnerstag enden.. "Es ist nicht mehr sehr wahrscheinlich, dass es so sein wird", sagte Gerichtssprecherin Andrea Titz und betonte: "Es ist durchaus davon auszugehen, dass weitere Termine erforderlich sein werden." Für Mittwoch ist ein Betriebsprüfer als zusätzlicher Zeuge geladen. Laut Titz ist zu erwarten, dass noch weitere Zeugen benannt werden.

"Ehrlich machen heißt zurücktreten"

Nach dem neuen Geständnis von Hoeneß mehreren sich die Forderungen nach harten Konsequenzen für den FC-Bayern-Präsidenten. Der Chef der Linkspartei, Bernd Riexinger, verlangte Hoeneß' sofortigen Rückzug von seinem Vereinsamt. „Uli Hoeneß hat Steuern in einem unvorstellbaren Ausmaß hinterzogen. Der Name Hoeneß wird zur neuen Maßeinheit für Steuerflucht werden“, sagte Riexinger der „Rheinischen Post"(Dienstagsausgabe). "Er kann nun keinesfalls weiter an der Spitze des FC Bayern bleiben. Ehrlich machen heißt zurücktreten."
Nordrhein-Westfalens Finanzminister Norbert Walter-Borjans (SPD) zeigte sich von der Summe des Steuerbetrugs überrascht. Die "noch einmal vervielfachte Summe macht einen fassungslos", sagte Walter-Borjans den "Ruhr Nachrichten". Beim Strafmaß dürfe "die Prominenz keine Rolle spielen".


Die Juso-Bundesvorsitzende Johanna Uekermann vertrat die Auffassung, bei einer solchen Summe dürften "keine strafmildernden Umstände zugelassen werden. Steuerhinterziehung ist kriminell und muss bestraft werden", sagte die SPD-Politikerin "Handelsblatt Online". Hoeneß müsse als Präsident des FC Bayern München zurücktreten.

Freiheitsstrafe "absolut zwingend"

Der Vorsitzende der Deutschen Steuergewerkschaft, Thomas Eigenthaler, rechnet derweil nach dem Geständnis von Hoeneß mit einer längeren Dauer des zunächst bis zum Donnerstag terminierten Steuerprozesses. "Jetzt wird man erst mal aufdröseln müssen, wie die 18,5 Millionen überhaupt zustande gekommen sind", sagte Eigenthaler im Bayerischen Rundfunk. "Ich bezweifle, ob man das in diesen Tagen bis Donnerstag überhaupt hinkriegt." Eigenthaler fügte hinzu, aus seiner Sicht sei eine Freiheitsstrafe für Hoeneß "absolut zwingend. Ob sie jetzt noch zur Bewährung ausgesetzt werden kann, daran habe ich ganz, ganz starke Zweifel."

Der Jurist und FDP-Politiker Wolfgang Kubicki glaubt nicht an eine Bewährungsstrafe. "Die Zahl alleine, 18 Millionen Euro, ist so schwerwiegend, das mir der Glaube momentan fehlt, dass er eine Bewährungsstrafe erhalten kann", sagte der stellvertretende Parteivorsitzende der FDP im Deutschlandfunk. (dpa/AFP)

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