Prozess gegen russische Punk-Band : Pussy Riot erwartet ein politischer Prozess

30.07.2012 00:00 Uhrvon
Die Mitglieder der Punk-Band Pussy Riot vor Gericht Foto: afp
Die Mitglieder der Punk-Band Pussy Riot vor Gericht - Foto: afp

In Moskau beginnt am Montag das Verfahren gegen die regierungskritische Frauenband. Mit Häkelmasken vor dem Gesicht hatten sie in einem Punk-Gebet die Gottesmutter bestürmt, Putin zu vertreiben. Was ist von dem Prozess zu erwarten?

Russische Bürgerrechtler und kritische Medien sind sich weitgehend einig: Mit dem heute beginnenden Prozess gegen die feministische Punk-Gruppe Pussy Riot werden die politische Macht und die von ihr abhängige Justiz nicht Stärke, sondern Schwäche zeigen. Bis zu sieben Jahren Haft drohen den Band-Mitgliedern, Maria Aljochina, Nadeschda Tolokonnikowa und Jekaterina Samuzewitsch. Der Anwalt der Band, Mark Feigin, sagt, er rechne nicht mit einem fairen Prozess. Seine Befürchtungen sieht er schon dadurch bestätigt, dass die Causa vor dem selben Moskauer Gericht verhandelt wird, wie die von Ex-Jukos-Chef Michail Chodorkowski 2010. Weite Teile der Öffentlichkeit vermuteten damals politische Hintergründe.

Chodorkowski hatte die Opposition unterstützt.

Bildergalerie: Pussy Riot

Was wird den Frauen vorgeworfen?

Mit Häkelmasken vor dem Gesicht hatten sie in einem Punk-Gebet die Gottesmutter bestürmt, Putin zu vertreiben und dabei die orthodoxe Liturgie persifliert. Nicht irgendwo, sondern auf dem Altar der Moskauer Christ-Erlöser-Kirche, die russisch-orthodoxen Christen so heilig ist wie der Petersdom den Katholiken. Und das zwei Wochen vor den Präsidentenwahlen Anfang März. Die staatlichen Ankläger sprechen von „Anstiftung zu religiösem Hass“ und bemühen dazu, obwohl auch in Russland die Trennung von Staat und Kirche gilt, nicht nur russisches Straf-, sondern auch byzantinisches Kirchenrecht. Ein Konzil, das in der Spätantike tagte, hatte Musik und Tanz in Gotteshäusern sowie das Betreten selbiger in „Narrenkleidung“ untersagt. Der Vorwurf der Gemeingefährlichkeit, wegen dem die drei Punkerinnen seit Ende Februar in Untersuchungshaft sitzen, basiert auf ähnlich wackeliger Rechtsgrundlage.

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