Prozess : Haftstrafen nach Brandanschlag auf Flüchtlingsheim

Wegen des Brandanschlags auf ein Flüchtlingsheim vor knapp eineinhalb Jahren in Sangerhausen, wurden die Täter am Montag vom Landgericht Halle zu Strafen von zwei Jahren Bewährung bis zu über fünf Jahren Gefängnis verurteilt.

Frank Jansen

Halle/BerlinDie Asylbewerber entkamen den Flammen nur knapp. In der Nacht zum 6. Januar 2007 flogen Brandflaschen auf das Flüchtlingsheim in Sangerhausen (Sachsen-Anhalt) und durchschlugen das Fenster einer Küche. In den Zimmern nebenan schliefen Bewohner. Der Afrikaner T. rettete sich mit einem Sprung durch ein Fenster und weckte zwei Mitbewohner, die ebenfalls flüchten konnten. Weitere Personen hielten sich im Gebäude nicht auf. Die Feuerwehr löschte den Brand, verletzt wurde niemand. Dennoch war der Anschlag lebensgefährlich und T. ist traumatisiert. Am Montag wurden nun die Täter, die damals alle zur rechten Szene gehörten, mit mehrjähriger Haft bestraft.

Die Jugendkammer des Landgerichts Halle verurteilte drei der vier Angeklagten wegen versuchten Mordes, besonders schwerer Brandstiftung und mit Bezug auf die Brandflaschen wegen Verstoßes gegen das Waffengesetz. Christian K. erhielt fünf Jahre und vier Monate, Danny R. vier Jahre und neun Monate sowie Glenn Frank K. drei Jahre und neun Monate. Die Angeklagte Franziska Z. kam mit zwei Jahren auf Bewährung davon, die Kammer hält sie der Beihilfe zum versuchten Mord und der besonders schweren Brandstiftung für schuldig. Der Vorsitzende Richter, Peter zur Nieden, sprach von einem "feigen und menschenverachtenden Anschlag".

Fehler bei den Ermittlungen

Der Fall rief Ende 2007 weitere Empörung hervor, als eine Polizeipanne bekannt wurde. Im Prozess gab ein Kriminalhauptmeister der damaligen Polizeidirektion Merseburg zu, er habe Franziska Z. vernommen, ohne sie über ihre Rechte zu belehren. Damit war die Aussage von Z. wertlos. Sehr zum Ärger der Staatsanwaltschaft Halle. Der Leitende Oberstaatsanwalt Jörg Wilkmann erstattete im November eine Dienstaufsichtsbeschwerde. Die Polizeidirektion zog den Beamten aus dem Staatsschutz ab, außerdem wurde ein Disziplinarverfahren eingeleitet. Es sei noch nicht abgeschlossen, sagte am Montag ein Sprecher der Direktion Sachsen-Anhalt Süd, in die 2008 die Direktion Merseburg aufgegangen war.

Die Linksfraktion im Landtag hatte die Panne im Innenausschuss zur Sprache gebracht. Auf der Agenda des Untersuchungsausschusses, der sich mit der vielschichtigen Polizeiaffäre in Sachsen-Anhalt auseinandersetzt, steht das Versäumnis bislang nicht.

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