Prozess in italien : Rache als Motiv

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Die Schüsse vor dem Restaurant „Da Bruno“ kosteten nicht nur sechs Kalabrier das Leben. Sie rissen Deutschland im August 2007 auch aus der ebenso vorurteilsgeprägten wie bequemen Selbsttäuschung, dass die Mafia einzig und allein in Italien aktiv sei.

Drei Jahre später ist das Duisburger Massaker in den fernen Süden Italiens zurückgekehrt. Giovanni Strangio, der 31-jährige Hauptverdächtige, ist im März 2009 in Amsterdam verhaftet worden. Deutschland aber, immerhin Schauplatz eines sechsfachen Mordes, hat auf seine Auslieferung verzichtet. Und so steht Strangio seit vier Monaten in Italien vor Gericht. Der Prozess – derzeit in einer fast achtwöchigen Sommerpause – spielt sich im entlegenen Locri ab, an der Sohle des italienischen Stiefels, und außer kalabrischen Lokaljournalisten schaut praktisch niemand zu.

Die Anklage hält Strangio vor, das Massaker kaltblütig geplant und ausgeführt zu haben, „aus dem niederträchtigen Motiv, seiner eigenen Mafia-Gruppe die Vorherrschaft zu sichern“. Dass – laut Anklage – der Clan Nirta-Strangio als „Gruppe der organisierten Kriminalität in mehreren Staaten“ aktiv ist, gilt als erschwerender Umstand.

Die Tat von Duisburg ordnet sich demnach in den etwa 20-jährigen Krieg zweier Mafia-Familien aus San Luca ein: die Pelle-Vottari hatten in dieser Kette wechselseitiger Blutrache zuletzt an Weihnachten 2006 einen tödlichen Anschlag auf die Familie Nirta-Strangio verübt. Giovanni Strangio, bis dahin ein unbeschriebenes Blatt in dieser Fehde, rannte danach mit einer Pistole durch das Dorf und schrie nach Rache. Acht Monate darauf soll er sie in Duisburg ausgeübt haben.

Giovanni Strangio selbst beteuert seine Unschuld. Dass er zur Tatzeit vor drei Jahren in Duisburg und Düsseldorf war, bestreitet er nicht. Er gibt aber an, dass er auf dringenden Rat seines Steuerberaters dort nur „einige Probleme mit dem Finanzamt“ habe lösen wollen, die sich in seinen drei Pizzerien ergeben hätten. pak

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