Prozess : Spionageverdacht: Französin in Iran angeklagt

Erneut stehen bei einem als Schauprozess kritisierten Verfahren prominente Oppositionelle vor Gericht. Unter den Angeklagten befindet sich auch eine Französin.

Der Prozess steht im Zusammenhang mit den Protesten gegen die Wiederwahl von Präsident Mahmud Ahmadineschad. Der französischen Staatsbürgerin Clotilde Reiss  und einer einheimischen Mitarbeiterin der französischen Botschaft in Teheran wird vorgeworfen, Informationen gesammelt und Demonstranten aufgehetzt zu haben, berichtete die amtliche Nachrichtenagentur IRNA.

Reiss hatte einen Lehrauftrag an der Universität. Die 24-Jährige wurde am 1. Juli festgenommen. Ihr wird unter anderem vorgeworfen, dass sie Bilder von Demonstranten gemacht habe. Die Regierung in Paris wies die Spionagevorwürfe wiederholt kategorisch zurück.

Auch der Chefanalyst der britischen Botschaft in Teheran, der Iraner Hussein Rassam, steht vor dem Kadi. Das Außenministerium in London reagierte darauf mit Empörung. Die Entscheidung, ihm den Prozess zu machen, sei "vollkommen inakzeptabel" und widerspreche allen Zusagen, sagte eine Sprecherin.

Die reformorientierte iranische Website Mowdsch berichtete, Angehörige der Angeklagten hätten sich vor dem Gericht versammelt. Sie seien aber von der Polizei vertrieben worden.

Am vorangegangenen Samstag hatte eine erste Prozessrunde gegen etwa 100 prominente Oppositionelle begonnen. Ihnen wird unter anderem Handeln gegen die nationale Sicherheit vorgeworfen. Damit droht ihnen die Todesstrafe.

Die Angeklagten wurden bei Protesten gegen den Ausgang der Präsidentenwahl am 12. Juni festgenommen. Insgesamt sitzen mehr als 1000 Demonstranten und Oppositionsanhänger in Haft. Die Reformbewegung um die unterlegenen Präsidentschaftskandidaten Mirhossein Mussawi und Mehdi Karubi wirft den Behörden Wahlfälschung zugunsten von Amtsinhaber Ahmadineschad vor. Der alte und zugleich neue Präsident wurde jedoch am Mittwoch vereidigt.

Es ist das erste Mal seit der Islamischen Revolution von 1979, dass sich im Iran Dutzende frühere Minister, Vize-Präsidenten und Abgeordnete vor Gericht verantworten müssen. Der reformorientierte frühere iranische Präsident Mohammed Chatami hatte das vor einer Woche begonnene Strafverfahren als "Schauprozess" verurteilt.

Ex-Präsident und Regierungsgegner Ali Akbar Haschemi Rafsandschani soll in der kommenden Woche das Freitagsgebet in der Teheraner Universität leiten. Dies wäre bereits das zweite Mal. Sein Freitagsgebet vom 17. Juli hatte landesweit neue Proteste gegen die Wiederwahl des Präsidenten geschürt.

Quelle: ZEIT ONLINE, Reuters, dpa, sp

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